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Kümmert Euch lieber um die Leiden der Menschen oder Kinder. Diese
Aufforderung, die uns bei Protesten gegen Zoos, Delfinarien oder Zirkusse
entgegengebracht wird, kommt nicht nur von den Besuchern, sondern auch von
Tierfreunden. Hier handelt es sich aber offenbar um Schuldverschiebung, also den
Versuch, ein Unrecht mit dem anderen Unrecht zu entschuldigen.
Es ist
vielmehr einfach Fakt, daß etwa die lebenslängliche Gefangenschaft eines Zebras
in dessen unwirklicher Umgebung, weniger Emotionen erzeugt, als das Verprügeln
eines Hundes. Ist es die Tradition des klassischen Tierschutzes, der, das Auge
starr auf die gröbsten körperlichen Misshandlungen gerichtet und nicht die
Leiden, die Einsamkeit, Isolierung, Ausweglosigkeit der Tiere in einem Zoo oder
Zirkus erkennen will ? Ist es diese begrenzte Sicht, die dessen Ziel schon
erfüllt sieht, wenn die Tiere halbwegs ausreichend ernährt und aus der Sicht des
Menschen sauber untergebracht sind ?
Die Verwendung von Tieren für
unseren Gebrauch ist tief in unserer Selbstverständlichkeit verwurzelt, auch
Tierfreunde sind davon nicht ausgenommen. Viele der Tierfreunde glauben sogar
noch, einen Zoo oder Zirkus besuchen zu müssen, weil sie Tiere doch so lieben.
Tiere in einem Zirkus erregen zumeist nur dann Mitleid, wenn die Menschen die
die Tiere benutzen, nicht mehr in der Lage sind, die Tiere zu ernähren und diese
dann tage- oder wochenlang hungern lassen. Zoos erfreuen sich zumindest
hierzulande grosser Beliebtheit. In letzter Zeit sind sie allerdings stark ins
Gerede gekommen, aber nur wegen ihrer Praxis, niedliche Löwenbabys und kleine
Bärchen als Publikumsmagnet nachzuzüchten und später, wenn die Saison vorbei
ist, sie wieder zu beseitigen. Die Institution der Zoos hat im öffentlichen
Bewusstsein jedoch noch immer den Charakter eines Erholungsortes an dem auch
noch anscheinend Artenschutz betrieben wird, ohne zu erkennen, dass die
Lebensräume für die Wildtiere unwiederbringlich zerstört werden. Die Tradition
Tiere gefangen zu halten ist so selbstverständlich, dass wir es gar nicht mehr
wahrnehmen wollen. In vielen Haushalten von Tierfreuden fristen Tiere wie etwa
Vögel, Meerschweinchen, Hamster, Hasen u.a. ein Leben lang ein erbärmliches
Dasein in Langeweile.
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Der klassische Tierschutz hat das millionenfache tagtägliche Leiden
der Tiere durch die Fremdbeherrschung deren gesamten Lebens überhaupt noch nicht
wahrgenommen. Es gilt, nach wie vor nichts verwerfliches darin zu sehen, Tiere
zu benutzen und zu gebrauchen, wenn sie dabei auch nur einigermassen gut
behandelt werden, Wenn nicht, schaut Mann /Frau einfach weg.
Dabei sind
die Leiden der Tierte evident, wenn man sich nur eine halbe Stunde in das Leben
eines Elefanten im Zirkus einfühlt, der lebenslang an Ketten, in ständiger
Bewegungslosigkiet verharren muss, in das Leben eines Tigers, der lebenslang am
Maschendrahtzaun seines wohnzimmergrossen Gefängnisses auf und ablaufen muss und
dessen Leiden nichts ist als Gleichförmigkeit, Verzweiflung und
Hoffnungslosigkeit. Das Dasein der Tiere ist auf das bloße biologische Überleben
reduziert und nur noch die elementarsten Bedürfinsse, wie Nahrungsaufnahme
werden befriedigt.
Ist es Unwissenheit, Ignoranz, Überheblichkeit oder
Vergnügungsucht, warum Menschen die einen Zoo oder Zirkus besuchen die
Gefangenhaltung der Tiere nicht als Unrecht wahrhaben wollen?
Die mehr
oder weniger stark ausgeprägten sichtbaren Neurosen der Tiere in einem Zoo oder
Zirkus sind lediglich die Flucht in den Wahnsinn, ein Ausweg aus dem
unerträglichen Zustand des lebendig Eingemauert seins, nicht wirklich leben zu
dürfen und doch leben zu müssen. Ein Leben in gnadenloser Fremdbestimmung durch
den Menschen.
Ist es der Mangel an Vorstellungskraft oder die Unfähigkeit des
Einfühlungsvermögens, warum Menschen diesen Leiden so selbstverständlich
gegenüberstehen. Tiere sind nicht instinktgesteuert wie wir es gerne haben
wollen, sie haben ihre arteigenen Bedürfnisse, wie fliegen, laufen, riechen,
sehen, fühlen und hören. Tiere haben Gefühle, Wünsche, Vorstellungen, Vorlieben
und auch Abneigungen. Diese lebensnotwendigen Bedürfnisse werden den Tieren
genommen, weil wir unser Verhalten entschuldigen wollen und deshalb die
Bedürfnisse der Tiere gerne auf fressen, schlafen und Fortpflanzung reduziert
sehen wollen.
Leben, Liebe, Glück wird den Tieren verwehrt und sperren
sie ein, zu unserem Vergügen - Freiheit in Gefangenschaft weil der Mensch
Illusionen braucht um seine Macht zu demonstrieren. Einige Quadratmeter Gras,
Hügel, Baumstämme, umgeben von Beton und Gitterstäben, eine Illusion von
Freiheit, für Menschen, die selbst in Mauern leben.
Es geht uns darum
diese als Tierliebe getarnten Morde zu entlarven. “Man kann einen Menschen mit
seiner Wohnung ebenso erschlagen, wie mit einer Axt” sagte Brecht über trostlose
Arbeiterquartiere. Und man kann einen Delfin mit einem Bassin ebenso ermorden,
wie mit einer Harpune, einen Tiger mit einem Käfig ebenso, wie mit einem
Jagdgewehr. Es dauert nur viel, viel länger. |