Tierrechte Aktiv
Zirkus
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Zirkusaufführungen mit Tieren

werden zunehmend kritisch gesehen und stoßen immer häufiger auf Ablehnung in der Bevölkerung. So wird der Auftritt von Wildtieren in der Manege in vielen Ländern aus Tierschutzgründen bereits untersagt oder eingeschränkt. Zuletzt beschloss Ungarn ein generelles Verbot für Wildtiere im Zirkus. In der EU verfügt auch Österreich über ein solches Verbot. In Großbritannien wird eine entsprechende Regelung vorbereitet. Schweden, Finnland, Dänemark und die Tschechische Republik verbieten das Mitführen einzelner Tierarten.

Elsbeth

Gefangen im Zirkus Krone

Zirkus ja, aber bitte ohne Tiere

Tiere gehören nicht in den Zirkus!

Das Tierschutzgesetz schreibt für alle von Menschen gehaltenen Tiere eine artgemäße und verhaltensgerechte Unterbringung vor. Insbesondere darf die Möglichkeit der Tiere zu artgemäßer Bewegung nicht so eingeschränkt werden, dass ihnen Schmerzen oder vermeidbare Leiden und/oder Schäden zugefügt werden.

Schon wegen Raum- und Platzmangels können Zirkusbetriebe "exotische" Wildtiere wie etwa Elefanten, große Katzen, Nashörner, Bären, Affen, Nilpferde oder Krokodile im Regelfall nicht artgemäß und verhaltensgerecht unterbringen. Die deshalb übliche dauernde oder jedenfalls überwiegende Käfig-, Ketten- und Anbindehaltung kann erhebliche Schmerzen, Leiden und/ oder Schäden der betroffenen Tiere verursachen.

Leben hinter Gittern

Ein Leben hinter Gittern oder an der Kette ist eindeutig nicht tiergerecht. Selbst vorübergehender, zeitlich und örtlich begrenzter Auslauf sowie der Einsatz in der Manege bieten den Tieren zu wenig Abwechslung und zu wenig Gelegenheit zum artgemäßen Laufen, Springen, Klettern, Spielen oder Schwimmen. Noch mehr Entbehrungen werden Zirkus-Tieren bei den ständigen Transporten zugemutet.

Die Tatsache, dass viele Zirkustiere in Gefangenschaft geboren wurden, ändert nichts an ihrem Bedürfnis nach artgemäßer Bewegung und verhaltensgerechter Beschäftigung. Besonders problematisch ist auch die verbreitete Einzelhaltung von Tieren (etwa Elefanten oder großen Katzen), die von Natur aus gern in Gruppen und Familien zusammenleben. Nicht zuletzt infolge tierwidriger Lebensbedingungen kommt es in Zirkusbetrieben immer wieder zu Zwischenfällen, bei denen Tiere und/oder Menschen teilweise schwer verletzt werden oder sogar ums Leben kommen bzw. Tiere am Ende getötet werden (müssen).

In vielen Fällen erniedrigt Zirkus das Mitgeschöpf Tier zum bloßen Objekt der Unterhaltung und Belustigung. Vor allem "exotischen" Wildtieren wird in der Manege ihre natürliche Würde genommen: Ein Tier, das auf Kommando Männchen macht oder andere, oft lächerliche "Kunststückchen" zeigt, ist eine Karikatur seiner selbst.

Tricks und Manipulationen

Zirkus-Tiere dürfen nicht tun, was sie wollen, sondern müssen sich dem Willen des Dompteurs unterwerfen. Kein Bär würde freiwillig tanzen oder auf Schlittschuhen laufen, kein Löwe und Tiger von Natur aus durch Feuerreifen springen, kein Affe auf dem Seil stehen. Die Tiere werden zu diesen teilweise qualvollen und zumeist unnatürlichen "Leistungen" stets gezwungen oder durch Tricks und Manipulationen verleitet.

Zwar gibt es inzwischen eine "sanfte", eher spielerische Dressur, aber eben auch Einschüchterung (gewöhnlich mit der Peitsche) und andere Formen der Gewalt. Auch insoweit kann entgegen der Behauptungen aus Zirkuskreisen von einer fairen und zumindest annähernd gleichberechtigten Gemeinschaft und Partnerschaft zwischen Mensch und Tier keine Rede sein.

Viele "exotische" Wildtiere (u. a. männliche Schimpansen und große Katzen) eignen sich überhaupt nicht oder nur bedingt und zeitweise zur Ausbildung und Vorführung in der Manege. Da kaum ein Zirkus das "Gnadenbrot" für "un-taugliche" bzw. "ausgediente" Tiere bezahlen kann, werden sie vielfach eingeschläfert oder verkauft und damit einem ungewissen Schicksal ausgeliefert. Im Umfeld von Zirkusbetrieben blüht ein sowohl ethisch als auch ökologisch bedenklicher Handel mit Tieren.

Die meisten Zirkusbetriebe haben kein richtiges Winterquartier, so dass zahlreiche Tiere in völlig unzureichenden Notunterkünften überwintern müssen. "Exoten" leiden besonders stark unter widernatürlicher Haltung. Obwohl das Tierschutzgesetz die Sicherstellung schlecht gehaltener Tiere vorsieht, können die Behörden mangels anderer Unterbringungsmöglichkeiten im Regelfall nicht helfen: Es fehlen "Auffangstationen" für in Not geratene Wildtiere. Und selbst wenn Behörden (eher ausnahmsweise) durchgreifen wollen, können Zirkusbetriebe als reisende Unternehmen jederzeit räumlich ausweichen und dadurch amtlichen Maßnahmen ganz oder teilweise entgehen.

Erniedrigt und ausgebeutet

Tiere sind keine Sachen, sondern Lebewesen und Mitgeschöpfe. Auch sie haben ein Recht auf ein Dasein nach ihrer Art. Nichts gegen Unterhaltung und Kommerz, aber beides kann die im Zirkus übliche Erniedrigung, Unterwerfung und Ausbeutung wehrloser Tiere nicht rechtfertigen.

Jede Haltung von (zumal "exotischen") Wildtieren ist zwangsläufig mit teilweise erheblichen Beeinträchtigungen der natürlichen Lebensweise dieser Tiere verbunden. Ihre Unterbringung und Nutzung im Zirkus ähnelt bestenfalls einem humanen Strafvollzug - mit dem wichtigen Unterschied, dass die Tiere im Gegensatz zu verurteilten Menschen nichts verbrochen haben...

Wirtschaftliche Interessen der Zirkusbetriebe und Freizeitbedürfnisse der Besucher sind verständlich. Aber sie erweisen sich in einer ganzheitlichen Abwägung, bei der auch die Rechte und Interessen der Tiere berücksichtigt werden, als unzureichend. Nicht zuletzt deshalb haben Schweden, Finnland und Dänemark aus Gründen des Tierschutzes die Haltung, Ausbildung und Vorführung "exotischer" Wildtiere in Zirkusbetrieben weitgehend verboten. Die immerhin 550.000 Einwohner zählende argentinische Stadt La Plata untersagte auf ihrem Gebiet sogar jegliche Auftritte von Tieren im Zirkus.

Der Erfolg des deutschen Zirkus "Liberta" ("Freiheit"), in dem ausschließlich Haustiere auftreten, die ohne jeden Zwang zur Mitwirkung veranlasst werden, bestätigt, dass eine Abkehr vom Einsatz "exotischer" Wildtiere im Zirkus möglich und im wahrsten Sinne des Wortes notwendig ist. Wir haben es nicht nötig, uns auf Kosten leidensfähiger Lebewesen zu amüsieren. Es gibt genügend andere Möglichkeiten des Gelderwerbs sowie der Unterhaltung und Freizeitgestaltung.

Wenn der Zirkus als Kunst und Kultur ernstgenommen werden will, dann muss er auch den Anforderungen des ethischen Tierschutzes gerecht werden. Der Erfolg künstlerisch, artistisch und akrobatisch geprägter Zirkusbetriebe bis hin zu dem chinesischen Nationalzirkus, in dem überhaupt keine Tiere auftreten, zeigt, dass ein weitgehender Verzicht auf Tiere in der Manege die Anziehungskraft der Programme keineswegs mindert, im Gegenteil: Die Zukunft gehört dem Zirkus, der außer den Interessen von Menschen auch grundlegende Rechte und Bedürfnisse von Tieren berücksichtigt.


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