Amtstierarzt kritisiert Tierhaltung im Circus Krone
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Veterinäramt prüft 01.08.2008 MÜNSTER Zu wenig Platz für Pferde, Affen und Papageien, ein viel zu kleiner Pool für das Flusspferd, Verdacht auf Tuberkulose bei einer Elefantendame. Die Schlagzeilen, die mit und über den Circus Krone aus Hagen zu seinem aktuellen Spielort Münster kommen, sind nicht nur positiv. Der Hagener Amtstierarzt wirft dem Zirkus Mängel bei der Tierhaltung vor. Nun drohen Zwangsgelder in Höhe von 3000 Euro. Die Liste der Beanstandungen
leitete das Hagener Veterinäramt jetzt nach Münster weiter. Der Zirkus Krone,
der gestern auf dem Hindenburgplatz Premiere feierte, weist dagegen alle
Vorwürfe weit von sich und beruft sich auf
Ausnahmeregelungen. |
Wolfram Bell, Amtstierarzt in Hagen, hatte einige Verstöße gegen die Vorschriften bei der Tierhaltung beanstandet, bei denen es „hauptsächlich um zu wenig Platz vor allem für das Flusspferd, drei Affen, Papageien und die 50 Pferde geht“, sagt Karsten-Thilo Raab, Pressesprecher der Stadt Hagen. So sei zum Beispiel der Pool für das tonnenschwere Flusspferd „nur eine bessere Badewanne“. Für die Pferde sei erst nach der Beanstandung durch den Amtstierarzt überhaupt ein Auslauf eingerichtet worden. Die Tiere hätten aber auch bei einer weiteren Kontrolle nicht darauf gestanden. Als der Amtstierarzt seine Beanstandungen in das Veterinärbuch eintragen wollte, habe es nicht vorgelegen, so Raab.
„Die Vorwürfe stimmen nicht“, sagt Dr. Susanne Matzenau, Pressesprecherin des Circus Krone. Das Veterinärbuch sei mittlerweile in Münster. Die etwa 100 Meter langen Pferdeboxen entsprächen zwar nicht mehr den aktuellen Normen, ein neuer Stall sei in Auftrag gegeben. Bis 2009 habe der Zirkus noch eine Duldungsgenehmigung. Ein Auslauf sei eingerichtet. Der Swimmingpool fürs Flusspferd werde seit 20 Jahren abgenommen.
Vorwürfen nachgehen
Die Vorwürfe kennt auch das münstersche Veterinäramt. Die Liste mit den Beanstandungen aus Hagen sei am Mittwoch angekommen, so Amtstierarzt Dr. Roland Otto. Und natürlich werde der Zirkus in Abstimmung mit den Kollegen vom Artenschutz überprüft: „Das ist Standard.“ Zu den Ergebnissen will sich der Amtstierarzt nicht äußern. „Das ist ein laufendes Verfahren, wir müssen sehen, was an den Vorwürfen dran ist.“
Tierquälerei beim Zirkus Krone
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Amtsveterinäre klagen an 22.12.2008 Prozess gegen Christel Sembach-Krone vor dem Amtsgericht Darmstadt Mainz. Über gravierende Missstände beim Zirkus Krone berichtet die ARD heute in ihrem Politikmagazin REPORT MAINZ um 21.45 Uhr. Mehrere Amtstierärzte werfen dem Münchner Vorzeigezirkus Tierquälerei vor. An zahlreichen Gastspielorten auf seiner Tournee 2008 stellten Behörden bei Routinekontrollen gravierende Verstöße gegen das deutsche Tierschutzgesetz und Zirkusleitlinien fest. Ordnungsverfügungen und Bußgeldverfahren wurden eingeleitet. Kritisiert wird insbesondere die Haltung der Pferde. Die Boxen seien zu klein, den Tieren wurde zu wenig Auslauf gestattet. |
Ein Flusspferd würde bei zu niedrigen Temperaturen in einem zu kleinen Becken
mitgeführt, um es zur Schau zur stellen. Gravierend sind die Vorwürfe bezüglich
der Elefantenhaltung. So verhängte beispielsweise das Amt für Veterinär- und
Verbraucherschutz der Stadt Darmstadt einen Bußgeldbescheid gegen
Zirkusdirektorin Christel Sembach-Krone - über 2.500 Euro.
Der Vorwurf: die
Elefanten seien „mittels Fußfesseln fixiert“ gewesen. Vier Tiere zeigten
„Verhaltensauffälligkeiten in Form des Webens.“ (Stereotype Kopfbewegungen Anm.
der Redaktion) Ein Elefant sei während der Vorführung sogar zu einem Kopfstand
motiviert worden. Im Januar kommt es vor dem Amtsgericht Darmstadt in dieser
Sache zu einem Gerichtsverfahren.
Die Amtsveterinärin des Landkreises Bad Kreuznach Dr. Barbara Rustige spricht gegenüber REPORT MAINZ von gravierenden Mängeln und Verstößen gegen das Tierschutzgesetz und die sogenannten Zirkusleitlinien: „Wir haben mehrere kleine Zirkusbetriebe, für die wir auch zuständig sind und wir fordern die Einhaltung dieser Leitlinien ein. Ich war überrascht, dass es im Zirkus Krone, das wirklich ein Vorzeigeunternehmen ist, dass die dort so unterschritten werden. Das sind also Mindestwerte, die nicht unterschritten werden dürfen, denn dann leiden die Tiere - das ist Tierquälerei.“
Nach der Anfrage von REPORT MAINZ berief die federführende Behörde, das Kreisverwaltungsreferat der Stadt München, eine Krisensitzung mit Veterinären aus ganz Deutschland ein. Der Zirkus muss jetzt seine Tierhaltung massiv nachbessern.
Dazu der Stadtdirektor der Stadt München Horst Reif:„Wir haben uns intensiv
ausgetauscht, es sind konkrete Ergebnisse auch rausgekommen. Zum Beispiel was
die Pferde betrifft: Größere Boxen, vermehrte Auslaufzeiten, ein Pferdetrainer
wird eingestellt.
Bei den Elefanten: Geringere Ankettungszeiten, verkürzte
Waschzeiten der Elefanten, was auch immer ein Problem gewesen ist.“
In die Kritik geraten ist auch die Selbstdarstellung des Unternehmens in seinen Prospekten und auf seiner Homepage. Dort wirbt der Zirkus mit einer Ehrennadel „für vorbildliche Pflege und Unterbringung der Krone Tiere“ verliehen durch den Tierschutzverein München. Auf Nachfragen von REPORT MAINZ weist der Vorsitzenden des Vereins diese Aussage als irreführende Werbung zurück. Man vergebe keine Ehrennadel bezüglich einer Tierhaltung, schon gar nicht an einen Zirkus.
Kurt Perlinger, Vorsitzender des Tierschutzvereins München gegenüber REPORT
MAINZ:
„Also vom Tierschutzverein München gibt es keine Ehrennadel in Bezug
auf die Tierhaltung. Sie ist ausschließlich personenbezogen, verliehen für die
Mitgliedschaft. Und wenn ich das hier so lese, werden wir das in nächster Zeit
richtig stellen.“ swr.de


