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Wenige Leute sind sich im klaren darüber, dass die Kühe jedes Jahr trächtig
gemacht werden, damit Milch, Käse und Sahne produziert werden können, Produkte,
die einen wesentlichen Teil der Ernährung der Lakto-Vegetarier und der
Fleischesser ausmachen. Viele glauben, dass der Kuh nur die überschüssige Milch
abgenommen wird, nachdem ihr Kalb gesättigt worden ist, aber es ist kaum
irgendwelchen Kühen in den Milchkuhherden gestattet, ihre Kälber länger als drei
Tage, wenn überhaupt, zu säugen. „Die Kälber von Milchkühen werden jetzt fast
immer von Menschenhand aufgezogen, so dass die Milch, die das Muttertier
erzeugt, verkauft werden kann." „Die Trennung des Kalbs von dem Muttertier kurz
nach der Geburt ruft unzweifelhaft Schmerz auf beiden Seiten hervor. Rinder sind
hochintelligent und die Bindung zwischen dem Kalb und der Mutter ist besonders
stark."
Die Kälber, das unvermeidliche Nebenprodukt dieser
unentwegten Schwangerschaften, gehen fünf möglichen Schicksalen
entgegen:
1. Sie kommen fast sofort zum Metzger -
wahrscheinlich um das Fleisch für Kalbskoteletts und Schinkenpasteten zu
liefern. Das Lab, das man zur Herstellung der gängigsten Käsearten benötigt,
muss dem Magen eines neugeborenen Kalbes entnommen werden.
2. Sie
können viel unglücklicher dran sein, wenn sie zu einer Produktionsstätte für
weißes Kalbfleisch kommen, wo sie ihr ganzes Leben eingesperrt in engen
Holzverschlägen zubringen müssen. Nach den ersten wenigen Wochen haben sie sogar
zum Umdrehen keinen Platz mehr. Sie werden mit einer speziellen Flüssigkeit
ernährt, die so zusammengestellt ist, dass maximales Wachstum in kürzester Zeit
ermöglicht und weißes Fleisch erzielt wird. Grobe Nahrung, wie es das
Verdauungssystem eines Wiederkäuers erfordert, wird ihnen vorenthalten, so dass
sie oft gezwungen sind, ihr eigenes Haar zu fressen und an ihren Verschlägen zu
nagen. Man gibt ihnen keine Streu als Unterlage, weil ihr Verlangen nach fester
Nahrung sie veranlassen würde, diese aufzufressen. Die alte Praxis des
Blutabzapfens, um das Fleisch weiß zu machen, ist jetzt verboten, aber ihre
Aufnahme von Eisen, das zur Vermeidung von klinischer Anämie im Futter notwendig
ist, ist auf das Minimum beschränkt und das alles nur, damit das Fleisch keine
rote Färbung annimmt. Viele kommen am Ende ihres vierzehnwöchigen Lebens mit
Magengeschwüren und Abszessen aus den Verschlägen und mit Beinen, die zu schwach
sind, sie zu tragen, wenn sie in die Schlachthofautos getrieben werden. Im
Brambell-Bericht heißt es: „Kälber sind normalerweise aktive und verspielte
Tiere."
3. Die landeseigene (britische) Produktion von Rindfleisch ist
seit dem Krieg um 50 % gestiegen3, und „ein kürzlich erstelltes Gutachten hat
aufgezeigt, dass 80 % des produzierten Rindfleisches ein Nebenprodukt der
Milchwirtschaftsindustrie sind"4. Kälber von Rindfleisch-Herden haben oft ein
vergleichsweise erträgliches Schicksal, indem es ihnen vergönnt ist, an den
Muttertieren zu säugen, mit ihren Müttern herumzutollen und auf den Weiden zu
grasen, bis die Zeit für die Mastbox und das Schlachthaus gekommen ist. Die
überflüssigen Kälber der Milchwirtschafts-Herden werden jedoch oft nur ungefähr
eine Woche alt auf den Viehmarkt geschickt und für die Aufzucht in
Intensiv-Rinderhaltungsbetrieben gekauft. „Friesische Kälber sind ideal für
extreme Intensiv-Systeme geeignet."5 Nachdem sie 12 Wochen überwiegend mit
Getreidekost ernährt wurden, ermutigt man sie dazu, sich zu überfressen und
beschränkt ihre Bewegungsmöglichkeit auf engsten Raum, damit der geringst
mögliche Teil des Futters für ihre körperlichen Funktionen verbraucht wird. „Es
besteht die Gefahr der Vergiftung als Folge des Überfressens."
4. In der heutigen Zeit der künstlichen Befruchtung werden nur wenige
Kälber als Bullen aufgezogen. Ein Kalb, das für dieses Schicksal ausersehen
wurde, darf noch eine Weile am Muttertier säugen. Es wird sorgfältig gepflegt,
damit es die Körperbeschaffenheit eines guten Stammvaters mit maximaler
Fruchtbarkeit erlangt. Dennoch spielen seine körperlichen Kräfte, so stattlich
sie auch sein mögen, keine große Rolle in dem ihm bestimmten
Leben.
Zwischen dem 10. und 12. Lebensmonat wird er wöchentlich auf Kühe
aufgesetzt und verbringt vielleicht dann den Rest seines Lebens in einsamer
Gefangenschaft. Wahrscheinlicher aber ist, dass ihm dann abverlangt wird, als
Putzleder oder Gummischlauch zu dienen. Ein Rundschreiben des Ministeriums für
Landwirtschaft über die Pflege von Bullen setzt sich dafür ein, dass der
Bullenzwinger an einen Hof mit abwechslungsreichem Leben grenzen und mit
durchsichtigen Wänden versehen sein sollte, denn „Langeweile kann
Gewalttätigkeit hervorrufen", ein Zugeständnis dafür, dass Tiere ein gewisses
Denkvermögen haben als auch ein Gemüts- und Empfindungsleben besitzen! Betagte
Bullen werden oft kastriert, bevor man sie einsperrt, um für den Metzger Fett
anzusetzen.
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5. Wenn das Kalb weiblich ist, kann es sein, dass man es als Milchkuh
aufzieht. Milchwirtschaftskälber werden der Mutter so bald als möglich nach der
Geburt weggenommen, damit sich die Milchkuh wieder in die Herde einordnen kann.
Ihr wird die geringste Zeit gegönnt, um die Anstrengung der enttäuschten
Schwangerschaft zu überwinden und das nur, damit ihre Milch sobald als möglich
den über alles wichtigen Profit erwirtschaften kann. Die Entwicklung des Kalbes
wird mit Milchersatznahrung so gefördert, dass man schon im Alter von 18 bis 24
Monaten mit dem Kreislauf der beständigen Schwangerschaften beginnen kann. Zitat
aus dem „New Scientist" (Neuer Wissenschaftler) vom 13. Jan. 1972: „Die moderne
Milchwirtschaftskuh erlebt die Hölle auf Erden. Jedes Jahr gebiert sie
hoffnungsvoll ein Kalb, was bedeutet, dass sie neun Monate des Jahres trächtig
ist. Und während neun Monaten jeden Jahres wird sie zweimal täglich gemolken.
Während sechs Monaten ist sie sowohl schwanger als auch milchspendend. Die
Einzelheiten der Leiden, denen sie aufgrund dieser Anforderungen unterliegen
kann, lesen sich grauenhaft, desgleichen die Beschreibungen der verschiedenen
Methoden der Abhilfe (zu lesen in den verschiedenen Bauern-Journalen). Die
Niederkunft ist für die Kuh oft ein sich hinziehender und schmerzhafter Vorgang,
dem als „Lohn" schließlich die Trennung von ihrem Neugeborenen folgt. Die Kühe
brüllen und suchen oft tagelang nach den ihnen weggenommenen Kälbern. Wenn nach
Jahren der Ausbeutung die Milch nur noch in Tropfen kommt, wird sie sofort ins
Schlachthaus geschickt. Da ausgezehrtes Kuhfleisch bei uns nicht gefragt ist,
werden sie für gewöhnlich ins Ausland zum Metzger
verschickt.
Vergleichsweise glücklich sind die Kühe und Kälber dran, die
ihr Leben und ihr gewaltsames Ende nahe ihrem Geburtsort erleben. Den meisten
stehen lange, beschwerliche Reisen, rohe Behandlung und Herumstehen auf Märkten
bevor, bis sie im Schlachthaus oder auf neuen Farmen ankommen. Die modernen
Schlachthäuser liegen oftmals kilometerweit von den Bauernhöfen entfernt, auf
welchen die Tiere aufgewachsen sind. Des weiteren wird es als unwirtschaftlich
erachtet, die Tiere zu füttern, die auf dem Wege zum Metzger sind. Die „humanen"
Tötungsinstrumente verringern wohl den Schmerz der Todeshiebe, aber nicht den
Terror des Wartens und die gewaltsame Behandlung, bevor sie angesetzt werden.
All das geschieht, um Nahrung für Menschen zu produzieren, die nicht
notwendig ist! Menschenbabies sollten Muttermilch bekommen und Kinder und
Erwachsene diejenige feste Nahrung, die ihrem Gebiss und Verdauungssystem
entspricht. Diese Nahrung kann leicht aus den vielfältigen Pflanzenprodukten
ausgewählt werden. Für Babies und Kinder, bei denen es notwendig ist oder
gewünscht wird, und für all jene, die noch Milch trinken wollen, hat die
„Pflanzenmilch-Gesellschaft", eine Gründung, in der Menschen wirken, die das
tiefe Mitleid mit den ausgebeuteten Tieren zusammenführte, „Plamil" propagiert,
die Milch menschlicher Freundlichkeit (Güte). Andere nahrhafte Arten von
Pflanzenmilch sind auch erhältlich.
Aber die Milchwirtschaftsindustrie ist nicht abtrennbar von der grausamen
Ausbeutung und Erniedrigung hilfloser und hochintelligenter Tiere.
K. Jannaway
Vegetarier-Bund Deutschlands e.V., Blumenstr. 3,
30159 Hannover, Tel. 0511-3632050, Fax 0511-3632007, www.vegetarierbund.de
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