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Mit ein paar hundert anderen steht die hochtragende Sau im Betonstall. Jetzt,
kurz vor der Geburt, setzen sich die Gene ihrer wilden Vorfahren durch und
lassen sie den Drang verspüren, ein Nest zu bauen. Doch gibt es dafür weder
Stroh oder Gras. Und in der „Abferkelbucht“ ist nicht einmal Platz, um sich
umzudrehen. Irgendwann purzeln die Neugeborenen auf den kalten Boden.
Ein
paar Tage später werden die Kleinen systemtauglich zurechtgestutzt:
Ringelschwanz ab, damit er nicht von gelangweilten Artgenossen abgeknabbert
wird; Eckzähne ab, damit die Tiere sich nicht gegenseitig verletzen; Hoden ab,
damit später kein „Ebergeruch“ den Appetit auf das Kotelett verdirbt. Nachdem
die Ferkel wie vorgeschrieben drei Wochen Muttermilch saugen durften, beginnt
die erste Etappe der Odyssee von Nutztieren im Industriezeitalter – dessen
Kennzeichen die Arbeitsteilung ist. Sie werden zu einem Aufzuchtbetrieb
transportiert und dort in spezielle, flache Käfige gesteckt – Transportstress,
Trennung von der Mutter, Milchentzug und Umgebungswechsel überstehen sie nur mit
einem Medikamenten-Cocktail. Wenn sie 30 Kilo wiegen, gehen sie auf die zweite
Etappe: zum endgültigen Mastbetrieb, der häufig weit entfernt liegt – oft sogar
in einem anderen Land. In Europa werden jährlich 250 Millionen Schweine und
Rinder hin und her gekarrt. Immer wieder fallen überladene Tiertransporte auf,
an Bord halb tote Kreaturen, weil die vorgeschriebenen Fahrzeiten zu lang sind
und Tränkpausen nicht eingehalten werden. Massenhafte Viehfuhren sind nicht nur
aus Tierschutzgründen katastrophal. Sie verbreiten auch Krankheiten wie die
Maul- und Klauenseuche über alle Grenzen.
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Für den Tier-Tourismus gibt es viele Gründe: So werden zum Beispiel
Jungschweine aus Südoldenburg oft in die neuen Bundesländer verfrachtet, weil
die Kotmenge, die auf einem Hof anfallen darf, flächenbezogen begrenzt wurde:
Züchter aus viehintensiven Regionen lassen ihre Tiere in anderen Teile des
Landes mästen, um die Bestimmung zu umgehen. Holländische Betriebe karren Ferkel
bis nach Spanien, weil dort niedrigere Löhne und klimabedingt billigere
Haltungskosten locken. Belgische Schweinemäster lassen oft in Frankreich
schlachten, weil dort weniger genau auf Hormonrückstände geachtet wird. Von
solchen Verschiebeaktionen profitieren allein Agrarfabriken, die so groß sind,
dass es lohnt, die jeweils günstigsten Konditionen herauszupicken. Die EU setzt
dem Irrsinn die Krone auf: Damit der Fleischberg nicht weiter wächst, zahlt sie
Subventionen für den Export lebender Tiere – für einen Bullen gibt es derzeit
rund 1200 Mark Beihilfe. Mehr als 500.000 Rinder und Kälber und fast 1,5
Millionen Schweine werden pro Jahr – mit Steuergeldern bezuschusst – aus Europa
ausgeführt.
Wäre die oben erwähnte Sau hingegen beim Biobauern
aufgewachsen, könnte sie ihre Ferkel im Stroh gebären und sechs Wochen lang
säugen. Die Jungtiere würden, wenn sie nicht ohnehin auf demselben Hof gemästet
werden, wohl kaum Hunderte von Kilometern weit reisen, bevor sie nach einem
Leben mit Stroh, natürlichem Futter und frischer.
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