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Rinderkultur
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Elend und Überwindung der Rinderkultur

Aus dem Buch „Das Imperium der Rinder“ von Jeremy Rifkin

Der moderne Rinderkomplex ist allgegenwärtig. Er hat entscheidenden Anteil an der Zerstörung unserer Umwelt. Und doch wurde über die Folgen, die er für die menschliche Gemeinschaft hat, bisher nur wenig nachgedacht.

Das Schweigen, das den modernen Rinderkomplex umgibt, ist um so beunruhigender, wenn man bedenkt, dass er maßgeblich dazu beigetragen hat, ein System der Nahrungsmittelproduktion und –verteilung hervorzubringen, das in seiner Ungerechtigkeit beispiellos in der Geschichte der Menschheit ist.

Der Mensch war es, der in unserem Jahrhundert die Umstellung des Getreideanbaus in aller Welt von der Nahrungs- zur Futtermittelproduktion initiiert und damit Millionen von Menschen von der Nutznießung der Reichtümer unseres Planeten ausgeschlossen hat.

Das Ausmaß des menschlichen Elends, das der moderne Rinderkomplex verursacht hat, ist erschreckend. Millionen Menschen in den „Entwicklungs“ländern mussten ihr angestammtes Land verlassen, das in Weideland umgewandelt wurde. Die meisten von ihnen waren gezwungen, in überfüllte städtische Slumgebiete abzuwandern, wo sie sich von Abfall ernähren. Von chronischem Hunger ausgezehrt, fallen sie nur zu leicht Mangelerscheinungskrankheiten zum Opfer.
In manchen Ländern der sog. Dritten Welt erlebt jedes zehnte Kind seinen ersten Geburtstag nicht. Für die anderen ist das Leben kaum mehr als ein langsames Dahinsterben an den Krankheiten, die sie sich aufgrund ihres geschwächten Abwehrsystems durch mangelhafte Hygienebedingungen, Parasiten oder Ansteckung zuziehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Die Reichen der privilegierten Bewohner der Industrieländer schwelgen zwar im Genuss einer Ernährung, deren Mittelpunkt das fette Fleisch von getreidegefütterten Tieren ist, aber sie sterben an anderen, durch den hohen Proteinkonsum mitverursachten Krankheiten.

Die Arterien mit Cholesterin verstopft, die Organe verfettet, fallen sie den „Wohlstandskrankheiten“ zum Opfer, leiden an Rheuma und Gicht und sterben, oft unter furchtbaren Schmerzen, am Herzinfarkt, an Krebs oder Diabetes.

Höchstwahrscheinlich wird der Leiter eines Supermarktes, der in seinem Geschäft das Fleisch von Mastrindern anbietet, niemals die Qualen der Armutsopfer nachempfinden können, jener Millionen von Familien, die von ihrem Land vertrieben wurden, damit dort Futtergetreide für den Export angebaut werden kann.

Die Jugendlichen, die im Fast-Food-Restaurant ihren Hamburger vertilgen, werden sich wahrscheinlich nie bewusst machen, dass gewaltige Flächen tropischer Regenwälder gerodet oder niedergebrannt werden mussten, damit sie ihr Fleischmahl verschlingen können.

Verbraucher, die abgepacktes Fleisch kaufen, werden nie erfahren, welche Qualen die Tiere in den hochtechnisierten Mastfabriken und Schlachthöfen erleiden mussten.


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