Gänse...und ihr grausames "Leben"
Gänse sind berühmt, leider als Daunenlieferanten und Weihnachtsbraten
Daunen finden sich in Bettdecken und Kopfkissen und werden auch als
Füllmaterial z.B. von Schlafsäcken oder Winterjacken verwendet. Daunen stammen
vom weichen Brustgefieder von lebenden oder geschlachteten Gänsen. Während in
Deutschland und in der EU das Raufen (Abrupfen) der Daunen am lebenden Tier kurz
vor dem Beginn der natürlichen Mauser (die Federkiele sind dann nicht mehr
durchblutet) erfolgt, kommt es in Ländern außerhalb der EU zum äußerst
schmerzhaften Ausreißen der Federn bei der nicht mausernden Gans (hier sind die
Federkiele noch durchblutet).
Auf riesigen Farmen werden Gänse von
Februar bis Oktober oder November zur Mast und zur Daunengewinnung gehalten. Die
Tiere werden im Sommer im Abstand von sechs bis sieben Wochen meist drei Mal
lebend gerupft. Die "Rupfer" arbeiten im Akkord, d.h., sie werden pro gerupfter
Gans bezahlt. Für eine feinfühlige Arbeit fehlt es da natürlich an Zeit. Außer
den Schwanz- und Flügelfedern wird alles ausgerupft.
Die Gänse werden
gepackt und auf den Rücken gelegt. Die Flügel werden zwischen den Beinen des
"Rupfers" eingeklemmt. Der Kopf wird im Würgegriff zur Seite gedreht. Das Tier
wird in kürzester Zeit gerupft, Daunen und Federn werden zusammen
herausgerissen. Die Federn sind mit ihren Kielen sehr stark in der Haut
verankert. Das Rupfen ist für die Gänse außerordentlich schmerzhaft. In
panischer Angst versuchen sich die Tiere zu wehren. Dabei kommt es häufig zu
Bein- oder Flügelbrüchen und Zerrungen.
Nach dem Rupfen befinden sich die
Gänse im Schockzustand. Oft drängen sie sich in eine Ecke und rühren sich für
viele Stunden nicht mehr. Mitunter haben sie zwei Tage lang Fieber und fressen
nicht.
Aufgrund von Verbrauchernachfragen haben sich viele Kaufhäuser
und Geschäfte darauf eingestellt und verkaufen nur noch Produkte mit Daunen von
Schlachtgänsen. Schlachtgänse werden erst nach der Tötung gerupft, maschinell
oder mit der Hand, wobei die Daunen der Handrupfung eine bessere Qualität haben.
Doch Vorsicht! Auch Gänse, die ihr Leben lang gerupft wurden, werden
nach der Schlachtung ein letztes Mal ihres Federkleides beraubt. Auch diese
Federn und Daunen werden gerne als Daunen von Schlachtgänsen
gekennzeichnet.
Für Daunenprodukte gibt es keine Kennzeichnungspflicht.
Beim Einkauf weiß der Konsument also nicht, von welchen Gänsen die Daunen
stammen und auf welche Art sie gewonnen wurden.
Deshalb
empfehlen wir, ganz auf Produkte mit Daunen zu verzichten.
Lassen Sie
sich beraten. Für Bettdecken, Kopfkissen, Schlafsäcke und Winterjacken gibt es
alternatives Füllmaterial, dass qualitativ in Bezug auf isolierende Wirkung,
Gewicht, Feuchtigkeitsaufnahme, schnelle Trocknung und Hautverträglichkeit sogar
hochwertiger ist.
Daunengewinnung
Daunen sind das Daunengefieder von Wasservögeln wie Enten und Gänsen. Am Land lebendes Geflügel wie etwa Hühner und Puten haben keine Daunen. Daunen wachsen unter dem äußersten Schutzgefieder und sind am Rumpf (im Brustbereich) am häufigsten und bilden eine Schutzschicht gegen Kälte.
Eine Daune ist ein dreidimensionales Gebilde und sieht aus wie eine Schneeflocke. Sie hat einen kaum sichtbaren Kern mit strahlenförmigen, seidenweichen Daunenbeinchen, welche viel Luft speichern können. Sie wiegt nur etwa 0.001 – 0,002g. Das bedeutet, dass ein Kilo Daunen, schon einer Menge von etwa einer Million Stück entspricht.
Bei der Daunengewinnung gibt es den Lebendrupf und den Schlachtrupf (auch Maschinenrupf):
Schlacht- bzw. Totrupf:
Viele Mastgänse werden nach ihrer Schlachtung zum ersten Mal gerupft. Meist maschinell, jedoch hin und wieder auch noch per Hand. Aus Tierschutzsicht ist der Maschinenrupf eigentlich unproblematisch, da hier die Tiere nach der Schlachtung mit einer eigenen Maschine gerupft werden und keine Schmerzen mehr spüren.
Rupft man die Daunen mit der Hand, werden diese nicht so schlimm beschädigt wie mit der Maschine und sind daher qualitativ hochwertiger. Diese Rupfvariante, der Totrupf ist unbedenklich, da auch in diesem Fall die Tiere nichts mehr spüren.
Lebendrupf:
Anders verhält es sich beim Lebendrupf (oder Pusztarupf in Ungarn). Die Gänse werden dabei von Februar bis etwa Oktober oder November bis zu vier Mal gerupft, da die Daunen immer wieder nachwachsen. Zeitgleich werden sie auch gemästet, um die Gans doppelt nutzen zu können.
Beim Rupfvorgang fangen die Arbeiter die Gänse, die in Bodenhaltung gehalten werden, biegen die Flügel und den Hals nach hinten und beginnen, die Tiere am Rumpf zu rupfen. Dabei gehen sie recht brutal vor, denn Zeit ist Geld und die Arbeiter werden pro Stück bezahlt. Da bleibt für das Wohl der Tiere keine Zeit. Gebrochene Beine, Flügel und offene Fleischwunden (den Tieren werden zu viele Federn auf einmal brutal ausgerissen und Haut- bzw. Fleischteile gehen mit) sind nicht selten. Stundenlang sind die Gänse noch geschockt von dieser Prozedur, fressen nichts, begeben sich in eine Ecke des Stalls und bewegen sich nicht mehr. Manche bekommen sogar Fieber. Das ist das traurige Leben der „Lieferanten“ für den weichen Polster.
Art der Herstellung nicht erkennbar
Leider gibt es jedoch kein Gütesiegel für Daunen aus Totrupf oder eine Kennzeichnungspflicht für Daunen aus Lebendrupf. Weiters kommt hinzu, dass ja viele Federn als Totrupf angepriesen werden, das Tier jedoch auch schon zu Lebzeiten diese Grausamkeit drei bis vier Mal über sich ergehen lassen musste.
Man kann also bei Daunen überhaupt nicht sagen, wie sie gewonnen wurden. Daunenrupfen bei lebenden Tieren ist und bleibt grausame Tierquälerei. Manche Produkte werden gekennzeichnet mit „Schlachtrupf“: dies bedeutet jedoch nicht, dass die Gans nicht schon ihr ganzes Leben gerupft worden ist.
Für tierschutzbewusste KonsumentInnen ist es besser, ganz auf Daunenprodukte zu verzichten. Es gibt mittlerweile zahlreiche Alternativen.
