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Eisbären im Zoo
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Warum Raubtiere in Zoos oft krank werden

Raubtiere leiden in Gefangenschaft umso stärker, je größer ihr Jagdraum in der Natur normalerweise ist. Eisbären, Löwen oder asiatische Elefanten zum Beispiel sind einer Untersuchung britischer Wissenschaftler zufolge besonders anfällig dafür, ein stereotypes Verhalten zu entwickeln, etwa den Kopf rhythmisch hin- und herzuschwenken.

Die Zoologen Ros Clubb und Georgia Mason von der University of Oxford fordern deshalb, in Zoos die Haltungsbedingungen der Tiere wesentlich zu verbessern oder am besten ganz auf diese Tierarten zu verzichten.

Die Studie "Captivity effects on wide-ranging carnivores" von Ros Clubb und Georgia Mason erschien im aktuellen Heft der Zeitschrift "Nature" (Band 425, S.473-4, Ausgabe vom 2.10.03).

Warum manche Tiere in Zoos leiden - und andere nicht

Experten wissen bereits seit längerem, dass einige Tierarten - etwa Schneeleoparden - in Gefangenschaft recht gut gedeihen, während andere gesundheitliche Probleme und Verhaltensauffälligkeiten entwickeln. Warum das so ist, haben nun Ros Clubb und Georgia Mason untersucht.

Eisbären: Ein Millionstel des natürlichen Lebensraums

Tiere mit großen natürlichen Territorien neigen ihrer Studie zufolge in Gefangenschaft eher dazu, permanent im Käfig oder Freigelände auf- und abzuschreiten. Dazu gehören zum Beispiel Eisbären, denen in Gefangenschaft nur ein Millionstel ihres natürlichen Lebensraums zur Verfügung steht.

Unterdrückung natürlicher Verhaltensmuster

Weiter fanden die Wissenschaftler, dass auch mehr Jungtiere dieser Arten in Gefangenschaft sterben. Oftmals sei dies auf eine schlechte Versorgung durch die Mütter zurückzuführen, schreiben die Forscher.

Das Unterdrücken natürlicher Verhaltensmuster in Gefangenschaft fördere nicht nur Stress und Frust, sondern störe auch die Entwicklung solcher Gehirnregionen, die für das Verhalten zuständig sind.

Ein Zoo ist kein Platz für Eisbären

Dürfen Tiere in Zoos gefangen gehalten werden? Eine britische Biologin stößt die Debatte aufs Neue an

Arktistouristen, die ihn in freier Wildnis erlebt haben, sprechen voll Ehrfurcht von ihm. Wenn Ursus maritimus, der Polarbär, zu rennen beginnt, erreicht er leicht eine Geschwindigkeit von bis zu 40 Kilometern pro Stunde. Eisbären haben kein festes Revier; sie wandern im Winter nach Süden, im Sommer Richtung Norden - immer der Treibeisgrenze folgend. Schnell und ausdauernd laufend, bewältigt der Bär nicht selten 80 Kilometer am Tag.

Darf man einen so vorzüglichen Läufer hinter Gittern halten? Georgia Mason, Verhaltensforscherin vom Institut für Zoologie der Universität Oxford, meint nein. Bei einer ganzen Reihe von Arten - darunter auch Asiatische Elefanten und Löwen - erzeuge Gefangenschaft Stress, Frustration und führe zur Veränderung ihres natürlichen Verhaltens. Im Gehege entwickelten sie stereotype Verhaltensweisen wie ständiges Auf-und-ab-Gehen (Pacing) und vernachlässigten die Pflege ihres Nachwuchses. Dafür spreche die hohe Sterblichkeit der Neugeborenen und die Anzahl der "Flaschenkinder", die von Tierpflegern aufgezogen werden müssen.

Mason stellte fest: Je größer die tägliche Laufstrecke und das Revier des freien Tieres ist, desto höher fällt die Säuglingssterblichkeit der Art in Gefangenschaft aus. Besonders deutlich beim Polarbären: Das kleinste Revier des Einzelgängers in Freiheit ist etwa eine Million Mal größer als ein übliches Zoogehege.

Aus Sicht der Zoos gehen diese Vorschläge zu weit. Wesentliche Aufgabe der Tiergärten sei die Nachzucht bedrohter Arten zur Erhaltung der Biodiversität und der genetischen Vielfalt innerhalb einer Art. Überdies lebe der Eisbär im Berliner Zoo, dem artenreichsten der Welt, auch sichtlich zufrieden mit fünf Weibchen - auf einer Fläche von 1500 Quadratmetern. Meist sei es die Beute, welche die Reviergröße bestimmt, meint Heiner Klös, Vorstandsmitglied des Berliner Zoos. Doch um Beute brauchen sich Zootiere nicht zu kümmern - sie wird täglich serviert.

Damit sie nicht faul und frustriert werden, beschäftigen Tierpfleger die "Wildfänge" auf unterschiedliche Weise. Im Tiergarten sind die Polarbären sogar wacher als in Freiheit. Sie verzichten in unseren Breiten auf Winterschlaf, denn der tritt in der Arktis nur wegen Futtermangels und der tiefen Temperaturen ein.

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Dem Straubinger Tiergarten wurden die Eisbärenhaltung vom Staatsministerium für Gesundheit, Ernährung und Verbraucherschutz in München untersagt. Jahrzehntelang wurden dort Polarbären gequält und nicht artgerecht untergebracht. Eine artgerechte Unterbringung in einem Tiergarten ist ohnehin nicht möglich.

Darum gehört ein Verbot geschaffen, damit nicht weiter Polarbären in einem Zoo gefangen gehalten werden können.
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