Tierrechte Aktiv
Du sollst nicht töten.
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Dürfen Christen Tiere töten?

Das Verhältnis des Christen zum geschöpflichen Leben schlechthin kursiert in der Ethik bestenfalls hier und dort als grössere «Anmerkung». Gott sei Dank! gibt es einen Franz von Assisi und einen Albert Schweitzer und zahlreiche andere, die in ihrem Sinn gewirkt haben. Aber aufs ganze gesehen ist es doch wohl so: Das «christliche Bewusstsein» hat weithin ein gebrochenes Verhältnis zum aussermenschlichen Leben, also zum Tier. Die Paradoxie des «christlichen Bewusstseins» wird besonders an Feiertagen, zumal an Weihnachten, deutlich. Auf unzähligen Bildern der Heiligen Nacht sind Ochs und Esel Gegenstand einer sehr gefühlsbetonten Betrachtung– während gleichzeitig in Schlachthäusern und Metzgereien vor Weihnachten Hochbetrieb herrscht. «Seither sind die Tiere die heimlichen Ankläger in der Weihnachtsgeschichte. Verfügten sie über eine Stimme, hätten sie, von ihrem Platz an der Krippe aus, an die unberührt vorüberziehenden Menschen allerlei Fragen zu stellen.» (H.J.Schulz)

Das Schicksal von Milliarden getöteter Tiere ist den allermeisten fleischessenden Christen völlig gleichgültig. Die Vernichtung des aussermenschlichen, also tierischen Lebens, vollzieht sich offensichtlich jenseits christlichen Bewusstseins.  

Liebe und Gewaltlosigkeit.

Die Zahl der Fleischesser unter den Christen wäre wahrscheinlich sehr klein, wenn jeder selbst die Tötung des Tieres vollziehen müsste. Aber ein gravierendes ethisches Problem tritt hier zutage:

Wenn von einer Schuld bei der Tötung tierischen Lebens gesprochen werden muss, dann trifft nach allen gültigen ethischen Grundsätzen Mitschuld auch den, der das Töten erzwingt, indem er als «Verbraucher » Teile des toten Tieres erwirbt.

Das Phänomen «Schuld» taucht schlagartig bei ihm auf, wenn er vor die Notwendigkeit gestellt wird, selbst ein Tier zu töten, um damit in den Besitz des Fleisches oder des Felles zu kommen! Charakteristisch hierfür scheint das Ergebnis einer Umfrage in einer ländlichen Grundschule der Bundesrepublik Deutschland zu sein.

Auf die Frage: «Wer von Euch würde Fleisch essen, wenn er das Tier selbst töten müsste?», antworteten die meisten Kinder, sie wollten lieber auf Fleisch verzichten!

Neue ethische Ansätze können für den Christen wohl nur aus einem neuen, vertieften Bibelverständnis kommen. Immer wieder hört man von Christen, sie hätten  den Auftrag sich die Erde untertan zu machen und über sie zu herrschen.

Was verstehen die Christen unter herrschen?

Scheinbar setzen sie herrschen und regieren mit missbrauchen, ausbeuten und nach belieben töten gleich. Welch absurde Annahme für eine Religion, die für ihre Nächstenliebe bekannt sein möchte!
Regieren im Sinne Jesu – und das allein darf für uns verbindlich sein – kann niemals darin bestehen, dass der Stärkere auf Grund seiner Stärke Gewalt über die Schwächeren ausübt! Dies ist so
wesenhaft mit der Botschaft Jesu Christi verbunden, dass es unmöglich erscheint, hier Grenzen zu ziehen – etwa in dem Sinne:

Das ist alles wahr und richtig, aber im Verhältnis zum tierischen Leben hat dies keine Gültigkeit.   Leid und Qualen der Tiere Weithin kommt uns ja der «Untergang der Tiere» (K. Büchel) und das ganze Leid, das damit zusammenhängt, gar nicht in die Ethik.

In unserer modernen Industriewelt vollzieht sich millionenfach tierisches Leiden und Sterben u.a. hinter den verschlossenen Türen der medizinisch pharmazeutischen Versuchslabors.
Der Einwand, «das geschieht doch alles nur um des Menschen Gesundheit willen», ist nicht mehr stichhaltig, seit dem man weiss, dass ein Grossteil der Pharmaprodukte nur aus Gewinngründen hergestellt wird und im Grunde genommen völlig überflüssig ist! Ausserdem gibt es heute in ausreichendem Masse sichere Alternativmethoden, die Tierversuche überflüssig machen. Man schätzt, dass täglich etwa 50 000 Tiere in der Bundesrepublik Deutschland einem «Versuch» unterworfen werden. Dieses «Unterwerfen» beginnt mit der Aufbürdung schwerster Krankheiten, den Qualen experimenteller Heilungsversuche bis hin zur körperlichen Verstümmelung «zu Beobachtungszwecken» und schliesslich zur Tötung (Vivisektion), oft auch ohne Betäubung, weil durch die Narkose der Versuchsverlauf gefährdet werden könnte.

Foto: soylent network


Und wer hat sich einmal mit angesehen, was sich – bei Wahrung aller «Vorschriften» – in unseren Schlachthäusern abspielt?

Das Wort des Tübinger Ernährungsphysiologen Günter Weitzel (1965) können wir nicht einfach überhören: «Fast jeder kommt zu der Ansicht, dass das brutale Erschlagen von Tieren, die man zuerst herangezogen und gemästet hat, um sie schliesslich aufzufressen, der heutigen Menschheit und speziell des Christentums unwürdig ist.» Anderes lässt sich aus der Bergpredigt Jesu gewiss nicht herauslesen.

Leben mit der Schöpfung

Wird uns nicht ein ganz neues Verhältnis zur Schöpfung und damit auch zum aussermenschlichen, tierischen Leben abverlangt? Es gehört zu unseren wichtigen Aufgaben, dass wir durch unser aktives wohlüberlegtes Denken, Reden und Handeln alles Leben auf dieser Erde schützen, pflegen, mitgestalten und für kommende Generationen erhalten helfen.

Auszüge aus dem neuen Katechismus der kath. Kirche:
«Somit darf man sich der Tiere zur Ernährung und zur Herstellung von Kleidern bedienen. Man darf sie zähmen, um sie dem Menschen bei der Arbeit und in der Freizeit dienstbar zu machen. Medizinische und wissenschaftliche Tierversuche sind in vernünftigen Grenzen sittlich zulässig, weil sie dazu beitragen, menschliches Leben zu heilen und zu retten.»

Ein Lob auf die Schlachthöfe, Stierkämpfe und Pelzindustrie, wahrlich christlich, wie dies von höchster kirchlicher Stelle bestätigt wird. Die schöne Formulierung mit den «gewissen Normen » hätten sie sich sparen können. Es ist klar, das damit die Normen der Tierexperimentatoren gemeint sind. Erstaunlich welche «Moral» hier vertreten wird!

Noch zwei «Ratschläge» aus dem Katechismus:
«Auch ist es unwürdig für sie [die Tiere] Geld auszugeben, das in erster Linie menschliche Not lindern sollte. Man darf Tiere gern haben, soll ihnen aber nicht die Liebe zuwenden,
die einzig Menschen gebührt.» Seit wann schliesst das Eine das Andere aus? Haben die Kirchenvertreter zuwenig Liebe um davon auch den Tieren einen Teil zukommen zu lassen?


Quellenangaben:

– Eugen Drewermann: Über die Unsterblichkeit
der Tiere, Walter-Verlag.

– Carl Anders Skriver: Der Verrat der Kirchen an
den Tieren und Die Lebensweise Jesu und der
ersten Christen, Skriver-Verlag, D-78532 Tuttlingen.

– G. J. Ousley: Das Evangelium des vollkommenen
Lebens.

– E. Bordeaux Székely: Das Evangelium der Essener,
Bruno Martin Verlag  

-Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus (SVV),.  


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