Tierrechte Aktiv
Dressierte Tiere
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Tier und Mensch Verhältnis - Dressur

In Deutschland sind Zirkusunternehmen, die mit dressierten Wildtieren reisen, noch nicht verboten worden: Elefanten machen Handstand auf bunt bemalten Schemeln, Löwen überwinden ihre Angst vor dem Feuer und springen durch brennende Reifen. Den Anblick von dressierten Pferden sind wir sowieso schon gewohnt durch die Reithalle von nebenan. Zebras, Giraffen, Kamele und noch andere Tiere laufen dressiert in der Manege umher. Hintereinander, nebeneinander, durcheinander. Paarweise oder alleine. ( Je nach Größe des Zirkus).

In skandinavischen Ländern sind fast alle Wildtiere im Zirkus schon lange verboten worden.

Städte und Gemeinden (z.B. in Kanada, Italien, USA verweigern solchen Unternehmen öffentliche Auftritte.

Sanfte Dressur

Die Zirkusbetreiber versichern den Besuchern, dass die Tiere ohne Gewalteinwirkung die von ihnen verlangten Kunststücke erlernen und vorführen. Die Dressurmethoden werden als “sanfte Dressur“ bezeichnet. Doch eine Dressur ohne Gewalt und Machteinfluss gegenüber dem Tier ist eine Illusion und würde einem Löwen-Dompteur vermutlich das Leben kosten.

Dressierte Wildtiere sind eine Attraktion

„Dressierte Tiere im Zirkus gelten immer noch als Attraktion. Die kurzen Auftritte in der Manege, von Musik und Applaus umrauscht, vermitteln dem Publikum, besonders den Kindern, die Illusion, dass es diesen Tieren gut geht.“ (Sina Walden)
Die Dressurnummern vermitteln nicht, wie den Tieren die „Kunststücke“ beigebracht worden sind. Die Vorgehensweise des Einübens der Kunststücke ist in der Regel nicht öffentlich, niemand kontrolliert die Vorgehensweise der Dressur.

„ Außer Neugier, Sensationsgier und Erwerbstrieb der Dompteure und Zirkusdirektoren wird kein menschliches Bedürfnis außer dem der Unterhaltung befriedigt.“( KLEEMANN).

Zirkustiere sind an Stress gewohnt


Tiere im Zirkus sind ständigen Stresssituationen ausgesetzt, da der Zirkus auf Reisen ist. Das Tier wird eingeladen, ausgeladen, dressiert, wird an Musik, grelle Beleuchtung, Maschinen und Menschenlärm gewöhnt.
Nach Hediger, ( Schweizer Zoologe, Verhaltensforscher und Tiergartendirektor des zoologischen Gartens in Zürich) ist die Veränderung der Umgebung des Zirkustieres etwas normales und unterscheidet sich in diesen Punkten vom Zootier.

Dressur als Beschäftigungstherapie

Hediger sieht die Dressur des im künstlichen Milieu gehaltenen Tieres als notwendig, um ihm einen adäquaten Lebensinhalt zu bieten und bezeichnet die Dressur als Beschäftigungstherapie. (KLEEMANN 1968).
(Nach diesen Gesichtspunkten verlangte der Tierpsychologe Hediger sogar eine Manege im Basler Zoo, dies wurde aber nicht umgesetzt.)

Das Zirkustier steht im engen Kontakt zum Menschen

Durch die Dressur wird dem Zirkustier einen andauernden engsten Kontakt zum Menschen ermöglicht. ( Dompteur, Stallmeister, Gehilfe, Assistenten)
Im Zoo hat der Wärter hingegen ein Revier mit vielen Tieren zu betreuen. Für das einzelne Individuum bleibt keine Zeit.
„ Im Zoo kommt es (...) nicht zu der tier-menschlichen Intimität, die im Zirkus die Regel ist.“ ( KLEEMANN 1968)

Definition der (Zirkus)-Dressur


Tierpsychologischen Verhaltensforschung und Zirkusvorführungen ist die Art der Beeinflussung tierlichen Verhaltens durch die Dressur, gemeinsam. Die Dressurarbeit und der Zweck der Dressur der Tiere in Zirkus und der Verhaltensforschung müssen unterschieden werden.

„Dressur bedeutet die Abrichtung zu bestimmten Verhalten bei Haus- und Wildtieren. Bei höheren Tieren spielen neben dem bedingten Reflex Nachahmung und möglicherweise auch einsichtiges Lernen bei Affen eine Rolle. Die Dressurmethode wird in der Verhaltensforschung zur Untersuchung der Unterscheidungsfähigkeit, der Lernfähigkeit und der Gedächtnisleistungen von Tieren angewendet ...“ ( MEYERS TACHENb.1987)

„ Im Zirkus ein Tier dressieren heißt, es durch fortgesetzte Benützung von Affektmomenten angeborene Instinkthandlung so weit zu bringen, dass es auf eine bestimmte persönliche Aufforderung hin gewisse Handlung ausführt, die ihm von Natur aus wenigstens in ihren Elementen zwar vertraut sind, die aber im Freileben nie durch denselben Reiz ausgelöst und nie unter denselben Umständen ausgeführt werden.“ (HEDIGER)

Dompteure dressieren Raubtiere und Elefanten, Dresseure mit Affen, Pferden, Seelöwen, Hunden und Vögeln. Raubtierdressuren werden mit Hilfe des Auslösens der sogenannten Fluchtreaktion seit Anfang der 50 er Jahre durchgeführt. Diese Theorie stammt vom Schweizer Zoologe Hediger und wird bis heute angewendet.

Bedeutung der Dressur für Verhaltensforscher

Besonders die Wildtiere sind für den Verhaltensforscher interessant.
( Elefanten, Tiger, Löwe, Bär, Seelöwe). Ziel ist es, die Psyche des Tieres zu erforschen.
Mit der Dressur kommt es beim Tier zu einer stufenweise Verhaltensänderung:
1. Wildheit, 2. Eingewohntheit, 3. Zahmheit, 4. Dressiertheit.

Sämtliche Verhaltensänderungen können ununterbrochen beobachtet werden, die zwischen beiden Extremen Stufen tierlichen Verhaltens gegenüber dem Menschen sich abspielen.
Es kommt zur: „...lückenlosen Verfolgung der Genese auch der höchsten und innigsten Tier/Mensch Beziehung der Dressiertheit und Vorstufen. “ ( HEDIGER 1968)
Die Tierbeobachtung im Zirkus der dressierten Tiere steht im direkten Gegensatz zu derjenigen im üblichen tierpsychologischen Experiment und hat dadurch grundsätzliche Bedeutung für den Tierpsychologen.

Der Prozess der Zirkusdressur

Der Prozess der Zirkusdressur ist kein einheitlicher, sondern er umfasst einen komplex von mehreren, sich teilweise überschneidenden Einzelprozessen.

Hauptabsschnitte:

1. Flucht-milieubedingte Hemmung
- schon fremder Raum genügt, dass das Tier sich unsicher fühlt.
- mit Gewalt ist nichts zu erreichen.
- das Tier muss beruhigt werden, mit der Umgebung vertraut gemacht werden

2. aktives Entgegensetzen/ adäquate Strafreize
- Dompteur muss seinen Willen unbedingt durchsetzen
- Tier empfindet Nachgiebigkeit als Schwäche

3. Phase ist notwendig, wenn das Tier zur Ausführung verlangter Leistungen körperlich nicht in der Lage ist. (Elefanten, Seelöwen) . Hier ist körperliches Training notwendig.
Das Tier wird mit Gewalt zur Leistung gebracht. Später nur aufgrund von Zeichengebung wird die verlangte Dressur ausgeführt. Nur so kann verständlich gemacht werden, was vom Tier verlangt wird.
Hierzu gehört die „putting through“Methode.

Putting through Methode

Diese Methode stammt von einem bekannten Dompteur O. Koehler und ist 1928 zum ersten Mal eingesetzt worden. Sie verlangt Hand anlegen. Dies ist nur bei vollkommen zahmen Tieren möglich.
Die meisten Zirkusstücke verdanken ihr Gelingen dieser Methode. Die reinste Form dieser Methode wird bei Elefanten angewendet. Es ist das Erzwingen von Passivbewegungen, weil die Kraft des Menschen nicht ausreicht.

Elefanten
Soll ein Elefant das sitzen lernen, so wird ihm mit sanfter Gewalt unter Vermeidung von Aufregung, auf eine als Stuhl dienende Tonne zu zwingen und seine Vorderbeine hochzuheben. Soll ein Braunbär Handstand gehen, so muss er sich gefallen lassen, dass er an den Hinterbeinen hochgehalten wird.

Bären und Seelöwen
Bei Tieren, die auf Futter stark reagieren, besonders bei Bären und Seelöwen, kann die Passivbewegung ohne direktes Hand anlegen eingeübt werden. Sie folgen dem Futter überall hin, so wie auf Podeste und Pyramidengestelle.

Löwen und Tiger

Eine weitere Form der putting through Methode wird bei Wildkatzen angewendet. Das Tier wird dabei weder berührt, noch direkt mit Futter gelockt. Diese Methode findet besonders bei nicht zahmen Raubtieren, wie Löwen und Tigern Anwendung.
Es werden von Dompteuren besonders Großkatzen eingesetzt, die deutliche Fluchtreaktion und kritische Reaktion zeigen.
Das Fluchtverhalten stellt sich bei jedem Tier ein, wenn der Mensch sich bis zu einem gewissen Abstand nähert. Bei Tieren in Gefangenschaft ist der Abstand geringer.
Nähert sich ein Dompteur der Wildkatze mehr als die kritische Distanz, so wird das Fluchtverhalten ausgelöst. Da es in der Manege dafür zu eng ist, schlägt das Fluchtverhalten in Angriff um. Dieser erfolgt niemals aus Offensive, sondern aus Notwehr. Das Tier springt auf den Dompteur zu. Dabei können Dressurgeräte dazwischen gestellt werden. Der Dompteur kann kritische Reaktion stoppen, wenn er sich mehr als die kritische Distanz zurückzieht.
Ein wichtiges Werkzeug ist dabei die Peitsche. Die Peitsche ist für das Tier der Dompteur selber. Die Katze muss, um die Peitschenschnur zu erreichen, auf das Postament klettern. Ist sie oben, ist die Peitsche von der Fluchtdistanz außer Reichweite. ( KLEEMANN 1968 )

Intelligenz der einzelnen Tierarten

Die Intelligenz der einzelnen Tierarten steht im Zusammenhang zu der von den Tieren errichten Entwicklungsstufe. Raubtiere müssen in ihrem Verhalten angepasster sein als Pflanzenfresser. Mit aufsteigender Intelligenz nimmt die Bereitschaft zum Spielen zu.

Spiel und Dressur im Zoo


Der Zwang zur Nahrungsaufnahme und die Feindvermeidung fallen im Zoo weg. Das Spiel der Tiere im Zoo ist in Dressurübungen übergegangen. Manche Tierpfleger übern kleine Tricks mit ihren Tieren ein um eine bessere Handhabung mit den Tieren zu ermöglichen. Zwischen Spiel und Dressur gibt es fließende Übergänge. Dressur ist das disziplinierte Spiel. Spiel und Dressur stellen Mittel dar, um den Alltag der Tiere im Zoo zu bereichern und sinnvoll zu gestalten. Zootiere können sich Spiele leisten, weil ihnen keine Gefahr droht. Das Spiel besitzt einen Bewegungsschatz aus dem Inventar instinktiven Handlungen einer Tierart und erworbener Handlung eines Individuums, die es in verschiedener Weise kombiniert und abwandelt. Viele Phasen des Spielens stimmen mit solchen des Ernstverhaltens überein.
Das Spiel findet nur bei höher entwickelten Organismen statt. Merkmal des Spieles ist die Lustbetontheit und das Fehlen eines Ernstbezuges. ( HEDIGER 1961)

Fazit:

„Selbst eine sanfte Dressur ist niemals tiergerecht. Ein Elefant macht keinen Handstand auf dem Schemel, wenn er nicht durch die Methoden der Dressur gezwungen wird.
Potentielle Verhaltensweisen werden ausgebeutet, zu denen Tiere nur in Extremsituationen fähig sind, so etwa wenn sie die Angst vor Feuer oder Lärm überwinden müssen, um einer noch grösseren akuten Gefahr auszuweichen. Angst vor dem Peitschenknall und der dadurch signalisierten bevorstehenden Strafe muss einen solchen Auslöser für den Einsatz extremen Verhaltens ersetzen.
Dressur ist Gewaltausübung. Immer muss der Wille des Tieres gebrochen und in die Richtung gezwungen werden, die derjenige vorgibt, der die Macht ausübt.“( Sina Walden, Zirkus, der falsche Zauber. http://tierrechte.de

Ausserhalb der Manege, verborgen für die Öffentlichkeit, leben die Tiere meist ein erbärmliches Leben in Gefangenschaft. Ungeeignete Transporte, erzwungene Auftritte in der Manege und mangelhafte Ernährung bestimmen ihr Leben.


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