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Der blutige Weg zum Ei
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Der blutige Weg zum Ei

     

 

„Das Töten erfolgt mittels eines Apparates, der mit schnell rotierenden, mechanisch angetriebenen Messern oder Schaumstoffnoppen ausgestattet ist. Die Maschinenleistung muss ausreichen, um auch eine große Zahl von Tieren unverzüglich zu töten.“ Der Gesetzestext – Anhang G der EU-Richtlinie 93/119/EG – schreibt nicht etwa vor, wie die Tiervernichtung im Seuchenfall erfolgen soll. Er findet vielmehr Tag für Tag Anwendung – es sind die „Regeln zum Töten überzähliger Küken“. Bei der Legehennenproduktion fällt ein Nebenprodukt an, für das es keine Verwendung gibt: männliche Küken. Die Sprösslinge von Legehennen-Zuchtlinien setzen für die Brathähnchenmast nicht schnell genug Fleisch an.

Deshalb bestimmen „Chicken-Sexer“ – meist Fachkräfte aus Asien – mit scharfem Blick und Fingerspitzengefühl das Geschlecht der frisch Geschlüpften. Die aussortierten, allein in Deutschlandetwa 42 Millionen pro Jahr, landen über Fließband und Trichter in so genannten Kükenmusern, wo sie geschreddert werden. Sie enden dann als Dünger auf dem Acker oder als Tiermehl im Futtertrog.

Die Brütereien sind fast ausnahmslos Lizenzbetriebe von vier weltweit agierenden Zuchtkonzernen. Hennen und Hähne aus verschiedenen Inzuchtlinien leben dort in „Elterntierherden“ und produzieren befruchtete Eier. Im Wärmeschrank ausgebrütet, von 50 Prozent männlichem Ausschuss befreit und in speziellen Aufzuchtbetrieben in 16 Wochen hochgepäppelt, sind „Legehybride“ das Ergebnis, die es auf 300 Eier im Jahr bringen – aber selbst keinen gesunden Nachwuchs bekommen könnten. Unerwünschte Nebeneffekte der Hochleistungszucht: Die Legehennen neigen zu Federpicken und Kannibalismus. Auf Fleischansatz getrimmte Masthähnchen wiederum können wegen Gelenk- und Muskelkrankheiten oft kaum laufen.

Bislang beziehen auch Biobauern meist bruderlose Industrie-Hennen und hinfällige Hähnchen, doch viele sind damit nicht glücklich. Ein Ausweg aus der perversen Logik wäre die Rückbesinnung auf traditionelle, robuste Rassen, die sowohl Fleisch als auch Eier liefern. Solche „Zweinutzungsrassen” wie das „Sulmtaler Huhn“ oder das „Deutsche Reichshuhn“ legen aber nur halb so viele Eier. Deshalb streben manche die Zucht leistungsfähigerer Zweinutzungsrassen an – was aber ohne das Know-how und die Gen-Ressourcen der Großzüchter kaum möglich ist. Die sahen bislang für solche Bemühungen keinen Grund – doch nun gibt es erste Anzeichen für ein Umdenken.

Voraussetzung ist die Bereitschaft der Verbraucher, für gesundes Essen, artgerechte Tierhaltung und eine saubere Umwelt mehr zu bezahlen. Und dies gilt nicht nur für Eier und Geflügel, sondern für alle Bereiche von Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion.


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