Raubtiere, die in der Natur täglich weite Strecken zurücklegen, leiden im Zoo besonders.
Haben Raubtiere in freier Wildbahn einen großen Lebensraum, können sie sich an ein Leben im Zoo nur schlecht anpassen. Arten, die in Freiheit keine weiten Strecken zurücklegen, kommen dagegen mit der Gefangenschaft besser zurecht. Das berichten britische Zoologen im Fachmagazin Nature (Bd. 425, S. 473).
Ros Clubb und Georgia Mason von der Universität Oxford untersuchten die
Sterblichkeitsrate beim Nachwuchs und die Häufigkeit stereotypen Verhaltens bei
35 Arten von Fleischfressern in Gefangenschaft. Beides hängt mit dem durch die
Gefangenschaft erzeugten Stress zusammen – so ist zum Beispiel eine hohe
Sterblichkeit unter neugeborenen Tieren oft auf die schlechte Pflege einer
gestressten Mutter zurückzuführen. Ihre Beobachtungen in den Zoos setzten sie
unter anderem in Beziehung zur Reviergröße der Tiere im natürlichen Lebensumfeld
und den Strecken, die diese dort täglich zurücklegen.
Je größer das
Revier in der Freiheit desto höher ist die Sterblichkeit des Nachwuchses in
Gefangenschaft, stellten die Wissenschaftler fest. Der gleiche Zusammenhang
zeigte sich zwischen der Länge der täglichen Laufstrecke in freier Wildbahn und
der Sterblichkeitsrate der Nachkommen im Zoo. Auch ob ein Tier im Käfig
stundenlang ruhelos auf und ab läuft, lässt sich anhand der Größe des
natürlichen Reviers vorhersagen. Sehr deutlich wird dieser Zusammenhang etwa
beim Eisbären:
Sein kleinstes Revier in Freiheit ist durchschnittlich etwa eine Million mal
größer als sein Gehege im Zoo.
Die Ergebnisse helfen zu verstehen, warum
einige Tierarten in Gefangenschaft gut gedeihen, während andere anfällig für
Krankheiten sind, ihr Verhalten verändern oder die Pflege ihres Nachwuchses
vernachlässigen. Die Haltung dieser Arten sollte entweder verbessert werden oder
die Zoos sollten sich auf solche Tiere konzentrieren, die mit der Gefangenschaft
gut zurechtkommen, fordern die Zoologen.
Delfinarien sind für Delfine kein
Vergnügen
Alle Jahre wieder springen Killerwale für eine Handvoll Fische
durch die Luft, und Delphine werden von Menschen geritten als wären sie
Wasserskier. Die Mitarbeiter von solchen Freizeitparks erzählen den Besuchern
gerne, daß die Tiere ihre Tricks nicht vorführen würden, wenn sie nicht so
glücklich wären. Und Sie können doch selbst sehen, wie glücklich die Delphine
sind. Schauen Sie sich doch nur ihr ständiges Lächeln an, stimmt's ? Aber was
die Besucher der Freizeitparks nicht wahrnehmen, ist die Tatsache, daß hinter
dem "Grinsen" der Delphine eine Branche steckt, die gnadenlos auf dem Leiden der
Tiere aufbaut.
Famlien werden auseinandergerissen
Killerwale
gehören zur Familie der Delphine. Außerdem sind sie die größten, in
Gefangenschaft gehaltenen Tiere überhaupt. In der freien Natur bleiben
Killerwale ein Leben lang bei ihren Müttern. Familienverbände bestehen jeweils
aus einer Mutter, ihren ausgewachsenen Söhnen und Töchtern und den Nachkommen
der Töchter. Jedes Mitglied der Familie spricht in einem "Dialekt", der nur für
diese Gruppe spezifisch ist (1). Delphine schwimmen gemeinsam in
Familienverbänden von drei bis 10 Tieren oder in Schwärmen von mehreren
Hunderten. Unvorstellbar ist daher das Trauma, das diese sozial lebenden Tiere
erleiden, wenn sie gewaltsam von ihren Familien getrennt und in die künstliche,
für sie äußerst eigenartige Welt der Vergnügungsparks gesteckt werden. Der Fang
nur eines einzigen Tieres aus einem Schwarm wildlebender Killerwale oder
Delphine reißt die gesamte Gemeinschaft auseinander. Um beispielsweise einen
weiblichen Delphin in gebärfähigem Alter zu fangen, jagen Boote die gesamte
Gruppe der Tiere in seichte Gewässer. Dann werden die Delphine mit Netzen
eingeschlossen, die man nach und nach zusammenzieht und in die Boote hievt. Die
unerwünschten Delphine wirft man ins Wasser zurück. Manche der Tiere sterben an
den Folgen des Schocks dieses Erlebnisses. Andere bekommen eine Lungenentzündung
aufgrund des Wassers, das durch ihre Nasenlöcher in die Lungen gelangt ist.
Schwangere Weibchen können auch eine plötzliche Fehlgeburt erleiden. (2)
Killerwale und Delphine, die diese schwere Prüfung überlebt haben, drehen
förmlich durch, wenn sie ihre gefangengenommenen Kameraden sehen, und versuchen
manchmal sogar, diese zu retten. Als Namu, ein wilder Killerwal, der an der
Küste von Kanada gefangen wurde, zum Seattle Public Aquarium in einem Stahlkäfig
geschleppt wurde, folgte viele Kilometer lang ein Schwarm wilder Killerwale. (3)
Anpassung an eine "außerirdische" Welt
In Freiheit schwimmen
Killerwale und Delphine bis zu 150 Kilometer am Tag. In Gefangenschaft dürfen
Delphine in einem Basin planschen, das gerade mal 8 x 8 Meter groß und 1.80
Meter tief ist. (4) In Freiheit können Killerwale und Delphine bis zu 30 Minuten
am Stück unter Wasser bleiben, und sie verbringen gewöhnlich nur 10 bis 20
Prozent ihrer Zeit an der Wasseroberfläche. Da die Basins jedoch so flach sind,
verbringen sie in Gefangenschaft mehr als die Hälfte ihrer Zeit an der
Wasseroberfläche. Fachleute sehen darin einen möglichen Grund für das Versagen
der Rückenflosse, wie es bei der Mehrheit der in Gefangenschaft lebenden
Killerwale zu beobachten ist. (5)
Delphine navigieren mittels Echolotung.
Sie senden Sonarwellen auf andere Objekte aus, um deren Form, Dichte, Entfernung
und Lokalisierung zu erfassen. In den Basins treibt das von den Basinwänden
zurückgeworfene Echo der von ihnen selbst ausgesendeten Sonarwellen manche
Delphine sogar zum Wahnsinn. (6) Jean-Michel Cousteau ist der Ansicht, daß für
in Gefangenschaft lebende Delphine "ihre Welt zu einem Wirrwarr aus
bedeutungslosen Echos wird." (7)
Die Basins werden unter Verwendung von
Chlor, Kupfersulfat und anderen scharfen Chemikalien saubergehalten; diese
reizen die Augen der Delphine und führen dazu, daß viele von ihnen mit
geschlossenen Augen schwimmen. Der frühere Delphin- Trainer Ric O'Barry, der
Delphine für die Fernsehserie "Flipper" trainierte, meint, daß das Chlor bei
einigen Delphinen sogar zu Blindheit geführt hat. (8) Das amerikanische
Landwirtschaftsministerium hat Ocean World in Florida geschlossen, nachdem man
festgestell festgestellt hatte, daß das zu stark gechlorte Wasser daran Schuld
war, daß sich die Haut der Delphine schälte. (9)
Die gerade erst gefangenen
Delphine und Killerwale werden außerdem dazu gezwungen, irgendwelche Tricks zu
erlernen. Ehemalige Trainer geben an, daß Nahrungsentzug und Isolation zwei
gängige Trainingsmethoden für Tiere sind, die sich weigern, die Darbietungen zu
bringen. Nach Aussage von Ric O'Barry ist "Positivbelohnungs"- Training nur eine
Schönmalerei für Nahrungsentzug bei Nichtgehorsam. (10) In den Freizeitparks
wird den Tieren oft vor einer Vorstellung bis zu 60% der Nahrung vorenthalten,
damit sie für die Show so richtig "geladen" sind. (11) Der ehemalige
Delphin-Trainer Doug Cartlidge behauptet, daß die hochsozialen Tiere dadurch,
daß sie von anderen Tiere isoliert sind, bestraft werden: "Sie in ein Basin zu
stecken und zu ignorieren, das ist eine Psychofolter." (12) Es ist daher kein
Wunder, daß in Gefangenschaft lebende Killerwale und Delphine, so O'Barry "unter
so extremem Streß stehen, wie man es kaum für möglich hält." (13) Dieser Streß
ist so groß, daß manche Tiere sogar Selbstmord begehen. Jacques Cousteau und
sein Sohn Jean-Michel schworen, niemals wieder einen Meeressäuger zu fangen,
nachdem sie mit eigenen Augen miterlebten, wie ein Delphin sich selbst tötete,
indem er immer wieder mit voller Wucht gegen sein Becken stieß.
(14)
Die tragischen Konsequenzen der Gefangenschaft
Wäre das
Leben für die in Gefangenschaft lebenden Killerwale und Delphine so ruhig und
friedlich, wie uns dies die Freizeitparks glauben machen wollen, dann sollten
die Tiere dort eigentlich länger leben als ihre wildlebenden Artgenossen, die ja
Jägern und der Meeresverschmutzung ausgesetzt sind. Aber Gefangenschaft bedeutet
für Killerwale und Delphine die Todesstrafe.
In Freiheit können Delphine 25
bis 50 Jahre alt werden. (15,16) Männliche Killerwale werden 50 bis 60 Jahre
alt, Weibchen 80 bis 90 Jahre. (17) Die in Gefangenschaft lebenden Killerwale in
Sea World und anderen Freizeitparks überleben selten ihr 10.Lebensjahr. (18)
Mehr als die Hälfte der Delphine sterben innerhalb der ersten beiden Jahre, wenn
sie gefangen werden; die übrigen in Gefangenschaft lebenden Delphine werden
durchschnittlich nur sechs Jahre alt. (19) Ein kanadisches Forschungsteam fand
heraus, daß Gefangenschaft das Leben eines Killerwals um 43 Jahre verkürzt, das
Leben eines Delphins um bis zu 15 Jahre. (20)
Sea World, das die meisten in
Gefangenschaft lebenden Killerwale und Delphine in den USA besitzt, hat mit die
schlimmste Vergangenheit, was die Versorgung seiner Tiere angeht. Nachdem Sea
World seinen Konkurrenten Marineland aus Südkalifornien aufgekauft und
geschlossen hatte, verschiffte man die ehemaligen Marineland-Tiere zu den
verschiedenen Sea World-Einrichtungen. Innerhalb eines Jahres waren 12 von ihnen
- 5 Delphine, 5 Seelöwen und 2 Robben - tot. Im darauf folgenden Jahr starb
Orky, ein Killerwal von Marineland, von dem gesagt wurde, er sei "der
berühmteste Killerwal der Welt". Wegen solch hoher Sterblichkeitsraten und weil
Zuchtprogramme in Gefangenschaft sich als völlig erfolglos erwiesen haben,
werden Killerwale und Delphine im Auftrag der Freizeitparks nach wie vor in
freier Wildbahn gefangen.
Die gefangenen Tiere sind allerdings nicht die
einzigen Opfer dieser "Zirkusse des Meeres". Die Betreiber von Sea World waren
bestürzt, als zwei Killerwale ihren Trainer Jonathan Smith wiederholt zum Boden
des Basins zerrten, in dem offensichtlichen Versuch, ihn zu ertränken. (21) Die
Trainerin Keltie Lee Byrne wurde von drei Killerwalen in Sea Land getötet,
nachdem sie mit diesen ins Wasser gestürzt war. (22)
Miß-Bildung
Freizeitparks haben genauso wenig Interesse an der Erhaltung der natürlichen
Lebensräume von Meeressäugern gezeigt wie sie daran haben, dem Publikum Bildung
zu vermitteln. Vielmehr hat diese Branche dafür plädiert, kleinere Wale, wie
z.B. Killerwale und Delphine, außerhalb der Rechtsprechung der Internationalen
Walkomission zu stellen (auch wenn das dazu beitragen würde, die Tiere in freier
Wildbahn zu schützen), da sie nicht riskieren möchten, künftig keine
zusätzlichen Tiere mehr fangen zu können. (23)
Die Dinge ändern
sich
Immer mehr Menschen auf der ganzen Welt erkennen, daß Delphine,
Killerwale und andere Meeressäuger nicht in Gefangenschaft gehören. Kanada hat
mittlerweile das Fangen und Exportieren von Beluga-Walen verboten. In Brasilien
ist die Verwendung von Meeressäugern für Unterhaltungszwecke verboten. In
England haben Zuschauer- Boykotte dazu geführt, daß alle Freizeitparks mit
Meeressäugern schließen mußten. Israel hat die Einfuhr von Delphinen für solche
Parks verboten. South Carolina hat alle Arten von Ausstellungszwecken mit Walen
und Delphinen untersagt, und andere Staaten arbeiten an Gesetzen, die den Fang
von Meeressäugern verbieten bzw. Darbietungen einschränken.
Richard Donner,
Co-Produzent des Kinofilmes "Free Willy" hat sich der ständig wachsenden Zahl
von Menschen angeschlossen, die ein Ende des Handels mit Meeressäugern fordern.
Donner sagt: "Das Entführen dieser majestätischen Meeressäuger aus der Freiheit
für kommerzielle Zwecke ist widerlich.....Diese grausamen Gefangennahmen müssen
unbedingt der Vergangenheit angehören." (24)
(1) The Fund for
Animals, "Cetaceans in Captivity. Orcas: An Overview." Marine Mammal Fact Sheet
#2.
(2) Dolphin Project-Europe Newsletter, Winter 1994/95..
(3) Hanauer,
Gary, "The Killing Tanks," Penthouse, October 1989.
(4) Dolphin
Project-Europe.
(5) The Humane Society of the United States, "Help Keep
Whales and Dolphins Free!"
(6) Dolphin Project Europe.
(7) Cousteau,
Jean-Michel, "Save the DolphinL Let It Go Free!," Batlimore Sun, May 11, 1993.
(8) Dolphin Project-Europe.
(9) The Associated Press wire servcie, July
3, 1994.
(10) McKenna, Virginia, Into the Blue, 1992.
(11) Hanauer.
(12) McKenna.
(13) Hanauer.
(14) Dumanoski, Dianne, "The Age of
Aquariums," Asbury Park Press, November 12, 1990.
(15) McKenna.
(16)
Dolphin Project-Europe.
(17) The Fund for Animals.
(18) Hanauer.
(19) Dolphin Project-Europe.
(20) Worden, Amy, United Press
International wire service, May 19, 1994.
(21) Hanauer.
(22) "Whales
Kill Trainer in Sea Show," New York Post, February 22, 1991.
(23) Rose,
Naomi Al, Letter to Richard Busch, editor of National Geographic Traveler,
February 3, 1995.
(24) "Sea World Tosse Out as Sponsor for American Oceans
Event," Donner/Shuler-Donner Productions news release, march 20,
1995.