Tierrechte Aktiv
Delfinarien
http://www.tierrechteaktiv.de/delfinarien.html

© 2011 Tierrechte Aktiv

Born to be wild

Raubtiere, die in der Natur täglich weite Strecken zurücklegen, leiden im Zoo besonders.

Haben Raubtiere in freier Wildbahn einen großen Lebensraum, können sie sich an ein Leben im Zoo nur schlecht anpassen. Arten, die in Freiheit keine weiten Strecken zurücklegen, kommen dagegen mit der Gefangenschaft besser zurecht. Das berichten britische Zoologen im Fachmagazin Nature (Bd. 425, S. 473).


Ros Clubb und Georgia Mason von der Universität Oxford untersuchten die Sterblichkeitsrate beim Nachwuchs und die Häufigkeit stereotypen Verhaltens bei 35 Arten von Fleischfressern in Gefangenschaft. Beides hängt mit dem durch die Gefangenschaft erzeugten Stress zusammen – so ist zum Beispiel eine hohe Sterblichkeit unter neugeborenen Tieren oft auf die schlechte Pflege einer gestressten Mutter zurückzuführen. Ihre Beobachtungen in den Zoos setzten sie unter anderem in Beziehung zur Reviergröße der Tiere im natürlichen Lebensumfeld und den Strecken, die diese dort täglich zurücklegen.

Je größer das Revier in der Freiheit desto höher ist die Sterblichkeit des Nachwuchses in Gefangenschaft, stellten die Wissenschaftler fest. Der gleiche Zusammenhang zeigte sich zwischen der Länge der täglichen Laufstrecke in freier Wildbahn und der Sterblichkeitsrate der Nachkommen im Zoo. Auch ob ein Tier im Käfig stundenlang ruhelos auf und ab läuft, lässt sich anhand der Größe des natürlichen Reviers vorhersagen. Sehr deutlich wird dieser Zusammenhang etwa beim Eisbären: Sein kleinstes Revier in Freiheit ist durchschnittlich etwa eine Million mal größer als sein Gehege im Zoo.

Die Ergebnisse helfen zu verstehen, warum einige Tierarten in Gefangenschaft gut gedeihen, während andere anfällig für Krankheiten sind, ihr Verhalten verändern oder die Pflege ihres Nachwuchses vernachlässigen. Die Haltung dieser Arten sollte entweder verbessert werden oder die Zoos sollten sich auf solche Tiere konzentrieren, die mit der Gefangenschaft gut zurechtkommen, fordern die Zoologen.

Eingemauert in Beton

Delfinarien sind für Delfine kein Vergnügen
Alle Jahre wieder springen Killerwale für eine Handvoll Fische durch die Luft, und Delphine werden von Menschen geritten als wären sie Wasserskier. Die Mitarbeiter von solchen Freizeitparks erzählen den Besuchern gerne, daß die Tiere ihre Tricks nicht vorführen würden, wenn sie nicht so glücklich wären. Und Sie können doch selbst sehen, wie glücklich die Delphine sind. Schauen Sie sich doch nur ihr ständiges Lächeln an, stimmt's ? Aber was die Besucher der Freizeitparks nicht wahrnehmen, ist die Tatsache, daß hinter dem "Grinsen" der Delphine eine Branche steckt, die gnadenlos auf dem Leiden der Tiere aufbaut.

Famlien werden auseinandergerissen
Killerwale gehören zur Familie der Delphine. Außerdem sind sie die größten, in Gefangenschaft gehaltenen Tiere überhaupt. In der freien Natur bleiben Killerwale ein Leben lang bei ihren Müttern. Familienverbände bestehen jeweils aus einer Mutter, ihren ausgewachsenen Söhnen und Töchtern und den Nachkommen der Töchter. Jedes Mitglied der Familie spricht in einem "Dialekt", der nur für diese Gruppe spezifisch ist (1). Delphine schwimmen gemeinsam in Familienverbänden von drei bis 10 Tieren oder in Schwärmen von mehreren Hunderten. Unvorstellbar ist daher das Trauma, das diese sozial lebenden Tiere erleiden, wenn sie gewaltsam von ihren Familien getrennt und in die künstliche, für sie äußerst eigenartige Welt der Vergnügungsparks gesteckt werden. Der Fang nur eines einzigen Tieres aus einem Schwarm wildlebender Killerwale oder Delphine reißt die gesamte Gemeinschaft auseinander. Um beispielsweise einen weiblichen Delphin in gebärfähigem Alter zu fangen, jagen Boote die gesamte Gruppe der Tiere in seichte Gewässer. Dann werden die Delphine mit Netzen eingeschlossen, die man nach und nach zusammenzieht und in die Boote hievt. Die unerwünschten Delphine wirft man ins Wasser zurück. Manche der Tiere sterben an den Folgen des Schocks dieses Erlebnisses. Andere bekommen eine Lungenentzündung aufgrund des Wassers, das durch ihre Nasenlöcher in die Lungen gelangt ist. Schwangere Weibchen können auch eine plötzliche Fehlgeburt erleiden. (2)
Killerwale und Delphine, die diese schwere Prüfung überlebt haben, drehen förmlich durch, wenn sie ihre gefangengenommenen Kameraden sehen, und versuchen manchmal sogar, diese zu retten. Als Namu, ein wilder Killerwal, der an der Küste von Kanada gefangen wurde, zum Seattle Public Aquarium in einem Stahlkäfig geschleppt wurde, folgte viele Kilometer lang ein Schwarm wilder Killerwale. (3)

Anpassung an eine "außerirdische" Welt
In Freiheit schwimmen Killerwale und Delphine bis zu 150 Kilometer am Tag. In Gefangenschaft dürfen Delphine in einem Basin planschen, das gerade mal 8 x 8 Meter groß und 1.80 Meter tief ist. (4) In Freiheit können Killerwale und Delphine bis zu 30 Minuten am Stück unter Wasser bleiben, und sie verbringen gewöhnlich nur 10 bis 20 Prozent ihrer Zeit an der Wasseroberfläche. Da die Basins jedoch so flach sind, verbringen sie in Gefangenschaft mehr als die Hälfte ihrer Zeit an der Wasseroberfläche. Fachleute sehen darin einen möglichen Grund für das Versagen der Rückenflosse, wie es bei der Mehrheit der in Gefangenschaft lebenden Killerwale zu beobachten ist. (5)
Delphine navigieren mittels Echolotung. Sie senden Sonarwellen auf andere Objekte aus, um deren Form, Dichte, Entfernung und Lokalisierung zu erfassen. In den Basins treibt das von den Basinwänden zurückgeworfene Echo der von ihnen selbst ausgesendeten Sonarwellen manche Delphine sogar zum Wahnsinn. (6) Jean-Michel Cousteau ist der Ansicht, daß für in Gefangenschaft lebende Delphine "ihre Welt zu einem Wirrwarr aus bedeutungslosen Echos wird." (7)
Die Basins werden unter Verwendung von Chlor, Kupfersulfat und anderen scharfen Chemikalien saubergehalten; diese reizen die Augen der Delphine und führen dazu, daß viele von ihnen mit geschlossenen Augen schwimmen. Der frühere Delphin- Trainer Ric O'Barry, der Delphine für die Fernsehserie "Flipper" trainierte, meint, daß das Chlor bei einigen Delphinen sogar zu Blindheit geführt hat. (8) Das amerikanische Landwirtschaftsministerium hat Ocean World in Florida geschlossen, nachdem man festgestell festgestellt hatte, daß das zu stark gechlorte Wasser daran Schuld war, daß sich die Haut der Delphine schälte. (9)
Die gerade erst gefangenen Delphine und Killerwale werden außerdem dazu gezwungen, irgendwelche Tricks zu erlernen. Ehemalige Trainer geben an, daß Nahrungsentzug und Isolation zwei gängige Trainingsmethoden für Tiere sind, die sich weigern, die Darbietungen zu bringen. Nach Aussage von Ric O'Barry ist "Positivbelohnungs"- Training nur eine Schönmalerei für Nahrungsentzug bei Nichtgehorsam. (10) In den Freizeitparks wird den Tieren oft vor einer Vorstellung bis zu 60% der Nahrung vorenthalten, damit sie für die Show so richtig "geladen" sind. (11) Der ehemalige Delphin-Trainer Doug Cartlidge behauptet, daß die hochsozialen Tiere dadurch, daß sie von anderen Tiere isoliert sind, bestraft werden: "Sie in ein Basin zu stecken und zu ignorieren, das ist eine Psychofolter." (12) Es ist daher kein Wunder, daß in Gefangenschaft lebende Killerwale und Delphine, so O'Barry "unter so extremem Streß stehen, wie man es kaum für möglich hält." (13) Dieser Streß ist so groß, daß manche Tiere sogar Selbstmord begehen. Jacques Cousteau und sein Sohn Jean-Michel schworen, niemals wieder einen Meeressäuger zu fangen, nachdem sie mit eigenen Augen miterlebten, wie ein Delphin sich selbst tötete, indem er immer wieder mit voller Wucht gegen sein Becken stieß. (14)

Die tragischen Konsequenzen der Gefangenschaft
Wäre das Leben für die in Gefangenschaft lebenden Killerwale und Delphine so ruhig und friedlich, wie uns dies die Freizeitparks glauben machen wollen, dann sollten die Tiere dort eigentlich länger leben als ihre wildlebenden Artgenossen, die ja Jägern und der Meeresverschmutzung ausgesetzt sind. Aber Gefangenschaft bedeutet für Killerwale und Delphine die Todesstrafe.
In Freiheit können Delphine 25 bis 50 Jahre alt werden. (15,16) Männliche Killerwale werden 50 bis 60 Jahre alt, Weibchen 80 bis 90 Jahre. (17) Die in Gefangenschaft lebenden Killerwale in Sea World und anderen Freizeitparks überleben selten ihr 10.Lebensjahr. (18) Mehr als die Hälfte der Delphine sterben innerhalb der ersten beiden Jahre, wenn sie gefangen werden; die übrigen in Gefangenschaft lebenden Delphine werden durchschnittlich nur sechs Jahre alt. (19) Ein kanadisches Forschungsteam fand heraus, daß Gefangenschaft das Leben eines Killerwals um 43 Jahre verkürzt, das Leben eines Delphins um bis zu 15 Jahre. (20)
Sea World, das die meisten in Gefangenschaft lebenden Killerwale und Delphine in den USA besitzt, hat mit die schlimmste Vergangenheit, was die Versorgung seiner Tiere angeht. Nachdem Sea World seinen Konkurrenten Marineland aus Südkalifornien aufgekauft und geschlossen hatte, verschiffte man die ehemaligen Marineland-Tiere zu den verschiedenen Sea World-Einrichtungen. Innerhalb eines Jahres waren 12 von ihnen - 5 Delphine, 5 Seelöwen und 2 Robben - tot. Im darauf folgenden Jahr starb Orky, ein Killerwal von Marineland, von dem gesagt wurde, er sei "der berühmteste Killerwal der Welt". Wegen solch hoher Sterblichkeitsraten und weil Zuchtprogramme in Gefangenschaft sich als völlig erfolglos erwiesen haben, werden Killerwale und Delphine im Auftrag der Freizeitparks nach wie vor in freier Wildbahn gefangen.
Die gefangenen Tiere sind allerdings nicht die einzigen Opfer dieser "Zirkusse des Meeres". Die Betreiber von Sea World waren bestürzt, als zwei Killerwale ihren Trainer Jonathan Smith wiederholt zum Boden des Basins zerrten, in dem offensichtlichen Versuch, ihn zu ertränken. (21) Die Trainerin Keltie Lee Byrne wurde von drei Killerwalen in Sea Land getötet, nachdem sie mit diesen ins Wasser gestürzt war. (22)

Miß-Bildung
Freizeitparks haben genauso wenig Interesse an der Erhaltung der natürlichen Lebensräume von Meeressäugern gezeigt wie sie daran haben, dem Publikum Bildung zu vermitteln. Vielmehr hat diese Branche dafür plädiert, kleinere Wale, wie z.B. Killerwale und Delphine, außerhalb der Rechtsprechung der Internationalen Walkomission zu stellen (auch wenn das dazu beitragen würde, die Tiere in freier Wildbahn zu schützen), da sie nicht riskieren möchten, künftig keine zusätzlichen Tiere mehr fangen zu können. (23)

Die Dinge ändern sich
Immer mehr Menschen auf der ganzen Welt erkennen, daß Delphine, Killerwale und andere Meeressäuger nicht in Gefangenschaft gehören. Kanada hat mittlerweile das Fangen und Exportieren von Beluga-Walen verboten. In Brasilien ist die Verwendung von Meeressäugern für Unterhaltungszwecke verboten. In England haben Zuschauer- Boykotte dazu geführt, daß alle Freizeitparks mit Meeressäugern schließen mußten. Israel hat die Einfuhr von Delphinen für solche Parks verboten. South Carolina hat alle Arten von Ausstellungszwecken mit Walen und Delphinen untersagt, und andere Staaten arbeiten an Gesetzen, die den Fang von Meeressäugern verbieten bzw. Darbietungen einschränken.
Richard Donner, Co-Produzent des Kinofilmes "Free Willy" hat sich der ständig wachsenden Zahl von Menschen angeschlossen, die ein Ende des Handels mit Meeressäugern fordern. Donner sagt: "Das Entführen dieser majestätischen Meeressäuger aus der Freiheit für kommerzielle Zwecke ist widerlich.....Diese grausamen Gefangennahmen müssen unbedingt der Vergangenheit angehören." (24)


(1) The Fund for Animals, "Cetaceans in Captivity. Orcas: An Overview." Marine Mammal Fact Sheet #2.
(2) Dolphin Project-Europe Newsletter, Winter 1994/95..
(3) Hanauer, Gary, "The Killing Tanks," Penthouse, October 1989.
(4) Dolphin Project-Europe.
(5) The Humane Society of the United States, "Help Keep Whales and Dolphins Free!"
(6) Dolphin Project Europe.
(7) Cousteau, Jean-Michel, "Save the DolphinL Let It Go Free!," Batlimore Sun, May 11, 1993.
(8) Dolphin Project-Europe.
(9) The Associated Press wire servcie, July 3, 1994.
(10) McKenna, Virginia, Into the Blue, 1992.
(11) Hanauer.
(12) McKenna.
(13) Hanauer.
(14) Dumanoski, Dianne, "The Age of Aquariums," Asbury Park Press, November 12, 1990.
(15) McKenna.
(16) Dolphin Project-Europe.
(17) The Fund for Animals.
(18) Hanauer.
(19) Dolphin Project-Europe.
(20) Worden, Amy, United Press International wire service, May 19, 1994.
(21) Hanauer.
(22) "Whales Kill Trainer in Sea Show," New York Post, February 22, 1991.
(23) Rose, Naomi Al, Letter to Richard Busch, editor of National Geographic Traveler, February 3, 1995.
(24) "Sea World Tosse Out as Sponsor for American Oceans Event," Donner/Shuler-Donner Productions news release, march 20, 1995.


© Druschba Visuelle Kommunikation