2002 / Keine Betriebserlaubnis für den Tiergarten Straubing
April 2002
Schwerwiegende Mängel wurden durch das
Staatsministerium für Gesundheit, Ernährung und Verbraucherschutz
festgestellt.
Im Artikel des Straubinger Tagblattes vom
16.2.2002 ist zu lesen, dass eine Begehung des Tiergartens durch die zuständigen
Behörden stattgefunden hat. Grund dafür war die Erteilung einer
Betriebserlaubnis. Der Tiergarten Straubing ist eine kommunale Einrichtung und
wird von der Stadt Straubing betrieben. Laut Tiergartendirektor Peter wurden bei
der Besichtigung des Tiergartens keine wesentlichen Mängel festgestellt. Aber
wie es so oft üblich ist, soll die Öffentlichkeit nicht die Wahrheit über die
Tierhaltung im Zoo erfahren. Sowohl der Stadt Straubing als auch dem
Tiergartendirektor ist mitgeteilt worden, dass unter den derzeitigen Zuständen
im Tiergarten, bei denen noch nicht einmal die ohnehin tierschutz- widrigen
Mindesthaltungsbedingungen eingehalten werden, keine Betriebserlaubnis erteilt
wird. Zitat bez. der Nichterteilung:..dass die Stadt Straubing derzeit ein
Konzept erstellt, bis zu welchem Zeitpunkt welche Verbesserungsmaßnahmen
ergriffen werden können. Vorher ist eine Erlaubniserteilung nicht
möglich.
Die Betriebserlaubnis kann laut Tierschutzgesetz nur dann
erteilt werden, wenn die Tiere ihrer Art und den Bedürfnissen entsprechend
angemessen ernährt, gepflegt und verhaltensgerecht untergebracht werden. Dies
trifft für den Tiergarten Straubing derzeit nicht zu. Eine umfangreiche
Mängelliste wurde der Stadt Straubing und der Tiergartenleitung zugesandt und es
bestehen berechtigte Zweifel ob diese Mängel in der Tierhaltung überhaupt
abgestellt werden können. Die von Tiergartendirektor Peter so verharmlosten
“kleinen” Mängel sind so gravierend, dass der Tiergarten mit der derzeitigen
Tierhaltung überfordert und die Haltung von exotischen Tieren nicht mehr
sichergestellt zu sein scheint. Verharmlosungen und Schönrederei hilft den
Tieren nicht, denn bisher ist nicht bekannt welche Maßnahmen ergriffen werden
sollen, damit die Tiere artgerecht untergebracht werden können, soweit dies in
einem Zoo überhaupt möglich ist. Ungeachtet der Mängel plant und realisiert der
Tiergarten weitere neue Tierarten anzusiedeln.
Dem Tiergarten Straubing wurde die Haltung von Leoparden untersagt. Das bisherige Gehege ist ungeeignet ein Tier dort unterzubringen. Trotzdem mussten 2 Leoparden viele Jahre in Isolation und Einsamkeit darin verbringen. Ein Leopard starb bereits 1996, das überlebende Tier starb nicht an Altersschwäche, wie Tiergartendirektor Peter der Öffentlichkeit weismachen wollte. Der Leopard wurde auf Anordnung des Staatsministeriums im Dezember 2001 von seinen Leiden erlöst, nachdem Tierschützer dem Ministerium einen Videofilm zur Verfügung stellten. Der Leopard verbrachte die meiste Zeit sein Lebens in einer Holzkiste, die lediglich eine Grundfläche von weniger als 4 qm hatte. Verfaulter Boden, stinkend nach eigenen Exkrementen und Nahrungsresten, ohne jegliche Innenausstattung. Ein Fenster, vergittert, verschmutzt und die gelegentlichen Ausflüge in sein Außengehege ließen den Leoparden ahnen, dass es noch ein Leben außerhalb seines Gefängnisses gab. Es nützte ihm wenig, er starb in Isolation und Einsamkeit.
Bei der Eisbärenanlage wurden schwerwiegende Mängel festgestellt und dem Tiergarten Straubing eine erneute Belegung der Anlage mit Eisbären untersagt. Nur die Tatsache, dass für die Eisbären kein anderer Platz vorhanden war und diese bereits alt sind, wurde die Haltung der Tiere bis auf weiteres geduldet. Der männliche Eisbär hat seit über 8 Monaten handtellergroße, offene Wunden an beiden Hinterbeinen. Zeitweise ist der Weg, den der Eisbär bei seinem monotonen Gang durch das Gehege nimmt, mit langen Blutspuren versehen. Strukturierung und Größe der Anlage entspricht in keiner Weise einer artgerechten Tierhaltung, soweit überhaupt die Haltung von Eisbären in einem Zoo nicht schon gegen das Tierschutzgesetz verstößt. Eine Kulisse aus Granitblöcken kann einem Eisbären niemals seinen Lebensraum ersetzen.
Beim Betreten des Raubtierhauses entsteht der Eindruck als handele es
sich hier um ein naturhistorisches Museum, lediglich mit dem Unterschied, dass
sich die Exponate bewegen. Tiger und Löwen in Vitrinen mit einer Grundfläche von
15 qm einzusperren mag der Ideologie der Tiergartenbetreiber entsprechen, kann
aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Tiere als lebendes Inventar zur
Schau gestellt werden. Auch das Raubtiergefängnis wurde beanstandet und es
bleibt zu bezweifeln, ob dem Tiergarten Straubing unter diesen Umständen die
Haltung der Tiere nicht untersagt wird.
Die Haltung von Schimpansen in
einem Glashaus sollte bald möglichst der Vergangenheit angehören. Die Tiere
vegetieren in absoluter Isolation vor sich hin. Sobald sich die Tiere im
Außengehege aufhalten, werden von den Besuchern verspottet und zum betteln
animiert. Artenschutz, Naturschutz und Volksbildung kann eine derartige
Tierquälanlage niemals vermitteln.
In einer alten Toilettenanlage
(Baujahr 1950 ?) werden seit Jahren Tiere untergebracht und müssen dort
monatelang überwintern. Die Tierhaltung in einer WC-Anlage wurde dem Tiergarten
Straubing untersagt.
Im Jahr 1998 wurden vom Tiergarten Straubing 10
Bärenmakaken an einen Privatbesitzer abgegeben. Welcher Privatbesitzer benötigt
oder kann so viele Affen einer Art aufnehmen ? Im Jahr 1999 wurden 8 Tiere
dieser Gruppe wieder an den Tiergarten Straubing zurückgegeben. Zwei der Tiere
überlebten diese Strapazen nicht. Zitat bez. der Rückgabe der Tiere: ...aus
familiären Gründen war dem Privatbesitzer die weitere Haltung jedoch nicht
möglich... Die Frage ob hier ein Tierhandel stattgefunden hat und mit wem, wird
noch Gegenstand weiterer Ermittlungen sein.
Trotz all dieser Missstände
macht der Tiergarten Straubing bisher keinerlei Anstalten, die vom Ministerium
beanstandeten Mängel zu beheben. Es darf auch bezweifelt werden, ob überhaupt
die finanziellen Mittel vorhanden sind.
Der Tiergarten Straubing wird von
der Stadt Straubing jährlich mit mehr als 500.000 Euro bezuschusst, während der
“Verein der Freunde des Tiergartens Straubing”, dessen Geschäftsführer
Tiergartendirektor Peter ist, auf verschiedenen Bankkonten ein Vermögen von über
600.000 Euro gewinnbringend angelegt hat.
Woher all die Gelder stammen,
die in letzter Zeit in den Tiergarten investiert wurden, ist nicht ganz
verständlich. Danubium 500.000 Euro, Steinzeithaus 200.000 Euro, Imbissbude
60.000 Euro, Spielplatz 90.000 Euro, Pinguinanlage 90.000 Euro. Den Vogel im
wahrsten Sinne des Wortes (Zitat Tiergartendirektor Peter) abgeschossen hat das
neueste Projekt des Tiergartens, die Vogelvoliere. Kosten vorerst 500.000 Euro,
obwohl jetzt schon erkennbar ist, dass es sich hier um eine weitere
tierquälerische Anlage handeln wird.
Die Stadt Straubing sollte
umgehendst die Öffentlichkeit informieren und ein Konzept vorlegen, in welcher
Form die tierschutzwidrigen Zustände im Tiergarten Straubing abgestellt werden
und der Verein der Freunde des Tiergartens Straubing sollte nicht mit Zinsen,
Aktien und Goldmünzen spekulieren, sondern das Geld zweckgebunden in den
Tiergarten investieren, um zumindest die gröbsten Missstände zu beseitigen und
auch damit den öffentlichen Haushalt entlasten. Des weiteren sollte der
Weiterbau der Vogelvoliere überprüft, gegebenenfalls eingestellt und das noch
vorhandene Geld zur Beseitigung der Missstände verwendet werden.
Peter Druschba
